„4-Dollar-Smartphone“ Freedom 251: Indiens digitale Revolution oder Marketing-Stunt?

Screenshot der Seite freedom251.com

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Es war eine der skurrilsten Tech-Meldungen der letzten Zeit: das so genannte „4-Dollar-Smartphone“ Freedom 251. Die indische Firma Ringing Bells, die bisher anscheinend weder im Technologie-Sektor noch anderswo aufgefallen war, kündigte ein unter- bis mittelklassiges Android-Smartphone für den Preis von 251 indischen Rupien an, umgerechnet rund 3,65 US-Dollar oder 3,28 Euro. Das ist selbst für unterste Spezifikationen haarsträubend günstig, und Kommentatoren frohlockten, dies könnte das Gerät sein für die rund 800 Millionen (!) Inder_innen, die noch keinen Zugang zum Internet haben, und so Indiens wirtschaftlichen Boom weiter beflügeln.

Ein paar Tage später umhüllen verschiedene Kontroversen das Produkt: Die Beispielexemplare, die auf der groß angekündigten Launch-Veranstaltung an Medien ausgegeben wurden, sind Modelle einer taiwanesischen Firma, die bereits auf dem Markt sind. Die Logos über dem Display wurden dilettantisch mit weißer Farbe übermalt. Keine der versprochenen vorinstallierten Apps, darunter Hilfsprogramme für die Sicherheit von Frauen oder die staatliche Sauberkeits-Kampagne Swachh Bharat Abhiyan, waren vorhanden. Dafür allerdings wurden viele Logos der grafischen Oberfläche eins zu eins von Apples iOS kopiert – ein klarer Copyright-Verstoß. Das Unternehmen ließ verlauten, die Exemplare dienten nur Demonstrationszwecken. Aber auch der Preis wird kritisch hinterfragt: So wollte der indische Branchenverband Indian Cellular Association vom Telekommunikationsminister Ravi Shankar Prasad wissen, wie das Gerät so günstig sein könne und ob eventuell Regierungssubventionen dahinter stünden.

Dabei ist bereits klar: Das Freedom 251 ist wohl weniger ein Heilsbringer für Indiens digital unterentwickelte Regionen – und eher ein teurer Marketing-Stunt für die Herstellerfirma. Denn die hat offenbar nicht vor, Abermillionen der 4-Dollar-Smartphones zu verkaufen, sondern nach Medienangaben maximal 200.000 Stück. Rund 6 Millionen Dollar Verlust würde das bedeuten – eine Investition in eine beispiellose globale Marketing-Kampagne. Es wird erwartet, dass Ringing Bells in Kürze weitere, normalpreisige Modelle anbieten wird, um sich als Hersteller auf dem indischen Markt zu etablieren.

Für diese Form von PR hat Indien sogar bereits einen Präzedenzfall: Das 35-Dollar-Aakash-Tablet wurde 2010 mit Unterstützung der indischen Regierung ebenfalls als massentaugliches Gerät angekündigt. Nach dem Hype blieb ein fast unbenutzbares Tablet, das nur äußerst lahm funktionierte, kaum Dateiformate unterstützte, eine schlechte Akkuleistung hatte und regelmäßig abstürzte. Die breite Digitalisierung der indischen Bevölkerung ist also wohl weiterhin nicht in unmittelbarer Aussicht.

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