„The Place Where The Internet Goes To Die“: 4chan-Gründer moot arbeitet jetzt für Google

Christopher Poole a.k.a. "moot" (Foto: Wikipedia-User Jscott, Ausschnitt)

Christopher Poole a.k.a. „moot“ (Foto: Wikipedia-User Jscott, Ausschnitt)

Wenn soziale Medien große Einkaufszentren sind, Orte zum Abhängen und socializen für die digital natives – dann ist 4chan.org die dunkle Ecke hinter dem Gebäude nahe der Mülltonnen, wo sich die Nerds und Freaks über obskure Videospiele, japanische Popkultur oder pubertäres Zeug unterhalten.

Die Community nennt sich selbst gerne the place where the internet goes to die. Wie jetzt bekannt wurde, ist der Gründer der Webseite, Christopher Poole a.k.a. „moot“, seit neuestem Mitarbeiter von Google Inc. – und die Netzgemeinde zeigt sich ziemlich überrascht.

Poole gründete 4chan 2003 im Alter von gerade einmal 15 Jahren nach dem Vorbild einer japanischen Webseite als Internet-Forum zum Teilen und Diskutieren von Bildern. Die User sind dabei gänzlich anonym. 4chan gehörte zeitweise zu den 100 beliebtesten Webseiten der Welt mit bis zu 20 Millionen monatlichen Usern, hat aber mittlerweile an Popularität eingebüßt. Ende 2015 verkaufte Poole das Forum nach jahrelangen Versuchen, hohe Serverkosten unter anderem durch das Schalten von Werbung aufzufangen.

Das scheiterte vor allem an den kontroversen Inhalten, die auf 4chan vorherrschend sind. Drehten sich die Diskussionen in den Anfangstagen häufig um Manga, Anime und Netzkultur generell, wurde vor allem das Unterforum 4chan.org/b bald zu einem Zentrum für teils satirische, äußerst politisch inkorrekte, zynische Inhalte. Trolling, Rassismus, Sexismus, Rechtsextremismus, Videos von sterbenden Menschen und krasse Pornografie sind dort bis heute an der Tagesordnung.

Ein Beispiel ist ein Wordfilter, den Poole selber umsetzte und der ihm heute wohl sehr peinlich sein dürfte: In einer geschmacklosen Anspielung auf den afroamerikanischen Botanisten George Washington Carver (1860-1943), der häufig als Erfinder der Erdnussbutter genannt wird, ersetzte ein Algorithmus die Worte „peanut butter“ mit „niggers“. Dass der Urheber dieser Handlung jetzt ein Google-Mitarbeiter ist, wird in den sozialen Medien genüsslich kommentiert:

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Es wäre jedoch falsch, Poole oder 4chan auf die krasseren Auswüchse dieser Anti-PC-Kultur zu reduzieren. Poole ist eines ernsthaften Rassismus unverdächtig, war Keynote-Speaker bei mehreren großen Konferenzen inklusive der TED2010 und ist mittlerweile eine respektierte Stimme in der Social Media-Branche. Gerade in den letzten Jahren hat Poole sich in Kontroversen wie bspw. Gamergate tendenziell liberal geäußert und verhalten, was ihm Teile von 4chans traditioneller Userbase sehr negativ anlasteten. Auch gilt 4chan als einer der Geburtsorte des Web-Aktivismus, wie etwa der Hacker-Gruppe Anonymous oder von „Project Chanology“, einer Protestaktion gegen Scientology.

Jetzt wird erwartet, dass Poole für Google im Bereich Social Media tätig sein wird, eventuell für das mäßig erfolgreiche Netzwerk Google plus. Das ist konsequent, denn seine Kompetenz in dem Bereich hat er mehrfach bewiesen – und viele der Themen und Memes aus der „dunklen Ecke“ des Internet sind heute im pop/netzkulturellen Mainstream angekommen.

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