Apps für Geflüchtete: Sprache, Orientierung, Teilhabe

Wir erinnern uns: „Geflüchtete mit Smartphones? Und die wollen hilfsbedürftig sein?“ Die meisten dieser Stimmen sind mittlerweile zum Glück verstummt, seit einer breiten Mehrheit in Politik und Gesellschaft bewusster wird, dass ein Internetzugang kein Luxus ist, sondern Menschenrecht sein sollte. Im Gegenteil: Viele Unternehmen und Initiativen nehmen die relativ breite Digitalisierung der Ankommenden – rund 80% sollen Zugang zu Smartphones haben – als Anlass, Hilfs-Apps zu programmieren, um Informationen und Unterstützung schnell und einfach zu verbreiten. Eine Auswahl:

 

Sprache

Viele der Apps widmen sich der Aufgabe, die Sprachbarriere etwas zu verringern. In RefuChat beispielsweise kann aus einer Liste viel benutzter Phrasen ausgewählt werden, die anschließend übersetzt und per Text oder Sprachausgabe ausgegeben werden. Das Programm beherrscht unter anderem Deutsch, Englisch und Arabisch und beruht auf dem crowdgefundeten und -gesourcten Projekt Refugee Phrasebook. Eher auf dem nachhaltigen Erlernen von Deutsch als Zweitsprache für Erwachsene liegt der Fokus der App phase6, die in Zusammenarbeit mit dem renommierten Fremdsprachenverlag Hueber veröffentlicht wurde.

 

Orientierung und Grundinformationen

Manche Apps versuchen den Rundumschlag und bündeln Informationen zu Behörden und Anträgen, Sprachhilfe und Leitfäden für das Leben in Deutschland in einer Anwendung. Das ambitionierteste Projekt ist wohl Ankommen, das aus einer Zusammenarbeit von Arbeitsagentur, BAMF, Goethe-Institut und dem Bayerischen Rundfunk entstanden ist. Für Android-Systeme wurde die fünf Sprachen beherrschende App bereits über 50 000-mal heruntergeladen und überwiegend positiv bewertet. Ähnlich geht die Welcome App Germany vor, die aus einer ursprünglich auf Dresden beschränkten Anwendung entstand; ein schönes Beispiel dafür, dass die sächsische Landeshauptstadt nicht nur für Pegida steht.

 

Etwas gesellschaftliche Teilhabe kostenlos: Gutscheine für Geflüchtete

Screenshot von HiMate.org

Screenshot von HiMate.org

Einen anderen Ansatz hat HiMate, das sich App nennt, aber anscheinend (vorläufig?) nur als Webseite existiert. Die Entwickler hatten die Idee, Unternehmen in Berlin zum Spenden von Gutscheinen zu bewegen, die anschließend von anerkannten und registrierten Geflüchteten eingelöst werden können. Bespiele für aktuell aktive Gutscheine sind etwa Tee für Drei, ein kostenloser Pullover oder Geldguthaben in Geschäften. Das Konzept hat das Potential, ein wichtiger Verteiler für Notwendiges wie Kleidung und Bildungsgutscheine, aber auch Schönes wie Kino- oder Theaterbesuche, Abendessen oder Musikunterricht zu sein – ein zentrales Anliegen für die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe sowie zur Vorbeugung von Ghettoisierung und Desillusionierung.

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