Auch mal für Frauen aufregen: Danke, liebe „Migranten“, für die Übergriffe in Köln

Ich bin kein Freund der Outrage-Kultur, die auf den Shitstorm aufspringt, sobald sich eine kritische Twitter- und/oder Facebook-Masse gebildet hat und unterwegs Internet-Punkte einsammelt. In der Sache der massiven Belästigungen von Frauen in der Silvesternacht in Köln bin ich allerdings durchaus froh, dass in Medien, Öffentlichkeit und Politik Gewalt an Frauen einstimmig als nicht akzeptabel erklärt wird. Endlich darf sich die laute Mehrheit auch mal für Frauen aufregen: Denn die Täter in Köln waren, zum Glück, „nicht deutscher Herkunft“!

Als Reiner Brüderle 2013 unsägliches Macho-Mief-Altherren-Verhalten gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich an den Tag legte, sah er sich zu Recht einem „Aufschrei“ entgegen. An der weißen, männlichen Ü50-Wand der deutschen Politik und Chefredaktionen konnten die paar Blogs und Artikel aber nicht viel kratzen, und kurze Zeit später sah sich Der Liebe Gauck persönlich animiert, den „Tugendfuror“ der Aktivist_innen zu kritisieren.

Als Yoko Winterscheidt sich 2012 von seiner Redaktion und TV-Partner Klaas Heufer-Umlauf nötigen ließ, einer Frau vor laufender Kamera an Busen und Hintern zu fassen, folgte einige Entrüstung, eine schnelle Entschuldigung von den Moderatoren und ZDF – und das war’s. Auseinandersetzung mit den Hintergründen der unsäglichen Prank- und Bro-Kultur, die so etwas überhaupt erst zulässt? Fehlanzeige.

Die meistgelesene Zeitung im europäisch-abendländisch-aufgeklärten Deutschland ist übrigens – wer sonst – die BILD, und was die von Frauenrechten, weiblicher sexueller Selbstbestimmung und Feminismus hält, dürfte bekannt sein. Da braucht es, trotz „Bildblog“, eine Kampagne wie „Stop Bild Sexism“, um täglich darauf hinzuweisen, wie das auflagenstärkste Blatt denn heute in Sprache und Bild Frauen erniedrigt.

Soviel zu Sexismus, dessen Akzeptanz und Ignoranz im deutschen politischen, gesellschaftlichen und publizistischen Diskurs. Was die Herkunft der Täter aus Köln angeht: Zu den vernünftigeren Stimmen im Social Media-Strudel dürfte wohl noch gehören, dass diese aus Kulturen kämen, in denen Frauen systematisch unterdrückt würden; und Islam halt, der auch.

Viel kann und muss gesprochen werden über Frauenrechte in radikal-islamischen Gesellschaften wie Saudi-Arabien. Eine Verbindung zwischen Ethnizität und Gewaltbereitschaft herzustellen, bleibt trotzdem immer falsch. Das gilt besonders an diesem frühen Punkt der Debatte, an dem wenig bis nichts über die tatsächlichen Täter bekannt ist. Machen wir uns nichts vor: Arschlöcher gibt’s überall. Strafbares Verhalten muss verfolgt und geahndet werden. Grundlegende Menschenrechte müssen hiervon unberührt bleiben.

Die Bekämpfung der Ursachen von Sexismus und Gewalt gegen Frauen ist ein anderes Thema; eines, das weder auf „Islam vs. Christentum“ noch auf „arabische oder afrikanische vs. westeuropäische Kultur“ reduziert werden darf.

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