Berlinale 2016 unterstützt das Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer

 

Wenn am 11. Februar die 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin beginnen, wird es neben den Film-Erstaufführungen auch eine ungewöhnliche Premiere geben: Zum ersten Mal spricht die Berlinale-Organisation eine Spendenempfehlung aus und wirbt damit offiziell um Unterstützung für das Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo).

Berlinale: Engagement als gesellschaftliche Verantwortung

Eine Pressemitteilung der Berlinale vom 26. Januar schlägt einen Bogen zu den Anfangstagen des Festivals in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Bevölkerung Europas noch an den Traumata des zweiten Weltkriegs litt. Angesichts der derzeitigen Lage von Geflüchteten in Deutschland und Europa sahen es die Festivalmacher_innen nun als ihre „Aufgabe, Verständigung, Toleranz und Akzeptanz zu fördern“ sowie „ihren Teil zur Berliner Willkommenskultur beizutragen“.

Neben der Unterstützung des bzfo gehöre dazu auch ein Hospitanzprojekt für junge Geflüchtete und Migrant_innen sowie ein Programm „Patenschaften für Kinobesuche“, das Geflüchteten zusammen mit Ehrenamtlichen den Besuch von Filmvorführungen ermöglicht. Bereits seit längerer Zeit bietet die Berlinale eine Eintrittsermäßigung an von 50% für Menschen mit geringem Einkommen.

bzfo – Kompetenzzentrum für Arbeit mit Traumatisierten

Das seit 1992 bestehende Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin ist eines der bundesweiten Kompetenzzentren für die Behandlung von Menschen, die Folter und Kriegsgewalt überlebt haben. Viele der Patient_innen erreichen Deutschland und Berlin als Geflüchtete. Das Zentrum verfolgt dabei einen multidisziplinären Ansatz mit medizinischen, psychotherapeuthischen, sozialarbeiterischen und auch integrativen Komponenten, unterstützt von speziell geschulten Dolmetscher_innen. Jährlich kann das Zentrum über 500 Patient_innen beraten und behandeln. Zur Finanzierung des Betriebs ist der Verein sowohl auf öffentliche Fördergelder als auch auf private Spenden angewiesen. Das bzfo ist Teil des „Zentrum Überleben“, dem auch eine Stiftung, eine gemeinnützige GmbH sowie ein Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste angehören.

Im Rahmen der Spenden-Kooperation errichteten die Partner bereits ein gemeinsames Projekt auf der Fundraising-Plattform Betterplace. Zusätzlich werden an Festivalstandorten offizielle Spendenboxen aufgestellt und das Zentrum ist mit einem Infostand bei den Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen vertreten. Die Erlöse kommen beispielsweise einem integrativen Filmcamp zugute oder der Finanzierung von Dolmetscher-Dienstleistungen; ein wichtiger Punkt, da die Sprachmittlung in Therapiesitzungen eine Spezialisierung verlangt und die Übernahme dieser Kosten durch Ämter wohl nicht immer gesichert ist.

Update, 1.2.2016, 13:25 Uhr:
Nachtrag: Pressemitteilung des bzfo zur der Kooperation mit der Berlinale.

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