Der „Energy Train“ – Energiespeicher-Revolution für Solar und Wind?

Die theoretische Funktionsweise des Energy Train (Screenshot von Youtube)

Die theoretische Funktionsweise des Energy Train (Screenshot von Youtube)

Energiespeicherung bei Überangebot und geringer Nachfrage – das ist die Achillesferse der ökologischen Energiewende. Kohle- oder Gaskraftwerke können nach Beliebten hoch- und runtergeregelt werden und damit dynamisch die Bedarfe von Industrie und Bevölkerung decken. Mit der Sonne und dem Wind ist das verständlicherweise etwas schwieriger.

Auf dem langen Weg in eine Gesellschaft, die 100% ihrer elektrischen Energie aus erneuerbaren Trägern – in Deutschland vor allem Solar- und Windkraft – bezieht, sind also großformatige Lösungen zur Speicherung von Energie schwer von Nöten. Regelmäßig anfallende Überproduktionen können so für Zeiten vorgehalten werden, in denen die Nachfrage die Produktion übersteigt.

Von Bergen und Zügen

Solche Anlagen gibt es selbstverständlich bereits, allerdings erst in relativ geringem Maßstab. An futuristischen Ideen mangelt es ebenso nicht: Ein deutscher Unternehmer beispielsweise will sprichwörtlich ganze Berge heben, um einen besonders effizienten Energiespeicher zu erzeugen. Ein neuer Vorschlag kommt jetzt aus den Niederlanden: Der „Energy Train“.

Das Konzept wurde am Energieonderzoek Centrum Nederland (Zentrum für Energieforschung der Niederlande) ersonnen, einem auf neue und nachhaltige Energietechnologien spezialisierten Institut. Ein menschenleerer, mit viel Gewicht beladener Magnetzug dreht demnach Bahnen auf einer kreisförmigen Strecke von 2,5 km Durchmesser, die sich wiederum in einem vakuumisierten Tunnel befindet. So wird die entstehende Reibung, der größte Faktor für Energieverlust, stark minimiert.

Mit überschüssiger Energie wird der Zug auf eine hohe Geschwindigkeit gebracht – laut Konzept bis zu 2.000 km/h. Bei Energiebedarf wird der Zug anschließend gebremst, wobei die freigesetzte kinetische Energie in elektrische umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist werden kann.

Der Hyperloop-Karussell-Speicher

Das ECN macht keine Angaben zum theoretischen Wirkungsgrad der Anlage – ein äußerst wichtiger Faktor bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit -, sondern gibt nur Schätzungen ab. So könne das System 2,5 Gigawatt Elektrizität für 8 Stunden vorhalten. Für einen längeren Zeitraum von 48 Stunden sinkt das Speicherpotential auf 400 Megawatt. Die Kosten für den Bau des Energy Train schätzt das Institut auf zwischen 1 und 2 Milliarden Euro.

Die Idee ist interessant und erinnert an das gerade im Gespräch befindliche Hyperloop-Konzept für den besonders effizienten Transport von Menschen. Doch dass der Energy Train eine Revolution darstellen wird, ist noch fraglich; letztlich ist er eine überdimensionierte Maglev-Variante eines Schwungrades. Ob Wirkungsgrad und das Verhältnis von Kosten zu Leistung in der Praxis wettbewerbsfähig sein können, ist jedoch völlig offen.

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