Digitaler Widerstand gegen Trump: NASA und US-Umweltbehörde starten alternative Twitter-Accounts

Donald Trump und sein Team verloren keine Zeit: Unmittelbar nach der Amtseinführung unterzeichnete der neue US-Präsident eine ganze Liste von so genannten executive orders, direkte Anweisungen, die der Präsident ohne Unterstützung des Kongresses erlassen kann. Damit leitete er unter anderem den Rückzug der USA vom TPP-Handelsabkommen ein, erschwerte Förderungen für Organisationen, die Abtreibung befürworten, erhöhte die „Sicherheit“ der Grenze zu Mexiko und ließ zwei gestoppte kontroverse Pipeline-Projekte wieder anlaufen.

Andere Änderungen an Erscheinungsbild und policy der US-Präsidentschaft waren etwas subtiler, aber ebenso zügig umgesetzt: Bereits wenige Stunden nach der Amtseinführung verschwand eine Webseite zum Thema Klimawandel spurlos von dem Auftritt des Weißen Hauses. Die Botschaft ist klar und deutlich: Von nun an wird die US-Regierung den Klimawandel nicht mehr als das behandeln, was er ist – belegter Fakt und wissenschaftlicher Konsens weltweit –, sondern als eine „Theorie“ unter vielen.

Das erzeugt ein Gefühl, irgendwo zwischen Ärger, Unbehagen und Angst – bei der Weltöffentlichkeit, aber mehr noch bei vielen US-Behörden, die jetzt damit rechnen müssen, zensiert zu werden. Bereits im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, die Raumfahrtbehörde NASA würde nach seinem Sieg alle Forschung zum Klimawandel einstellen und sich (sinngemäß) nur noch um Satelliten und Raketen kümmern. Vielleicht noch schlimmer steht es um die staatliche US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA), die mit Scott Pruit jüngst einen obersten Chef bekam, der bis vor kurzem den durch Menschen verursachten Klimawandel leugnete.

Insofern kommen nun Befürchtungen auf, dass vor allem in diesen beiden Behörden wichtige wissenschaftliche Arbeit zum Wandel der Lebensbedingungen auf der Erde nicht fortgeführt und Ergebnisse nicht publik gemacht werden können. Um diese Zensur zu umgehen, suchen anonyme Mitarbeiter_innen dieser Behörden jetzt die digitale Flucht nach vorn und haben bei Twitter so genannte rogue accounts gestartet – Konten, die nicht offiziell autorisiert sind, aber als alternative, quasi-offizielle, unzensierte Stimme der Behörde akzeptiert werden.

Erst vor wenigen Tagen im Januar gingen @rogueNASA und @altUSEPA online, haben aber bereits 265.000 bzw. 72.000 Follower angehäuft. Ebenfalls vertreten sind Alt-Accounts des nationalen Wetterdienstes NWS (@AlternativeNWS) und des National Park Service (@AltNatParkSer). Letzterer ist offenbar der Trendsetter und existiert bereits seit Mai 2015. Jüngst kündigte der Account allerdings an, die Kontrolle über den Account an Personen zu übergeben, die nicht in der Behörde angestellt sind:

Die Furcht vor einem Backlash gegen die abtrünnigen Mitarbeiter_innen ist also durchaus real. Zunächst aber werden die rogue accounts dafür sorgen, dass fragwürdige interne Vorgänge und politische Zensur nicht unbemerkt bleiben – und damit in einem repressiven politischen Klima eine immens wichtige demokratische Funktion übernehmen.

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