Energiewende bizarr: Am Sonntag kostete Kohle-Strom -24 Cent pro kW/h

Konventionelle Stromerzeugung (blauer Bereich), Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie (grüner Bereich), Stromverbrauch (rote Linie) und Strompreis (hellblaue Linie) in den vergangenen Tagen (Grafik: Agorameter des Thinktanks Agora Energiewende, abgerufen 10.5.2016, 12:45 Uhr)

Konventionelle Stromerzeugung (blauer Bereich), Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie (grüner Bereich), Stromverbrauch (rote Linie) und Strompreis (hellblaue Linie) in den vergangenen Tagen (Grafik: Agorameter des Thinktanks Agora Energiewende, abgerufen 11.5.2016, 12:45 Uhr)

Sonntag, der 8. Mai 2016 war ein sehr schöner Tag: viel Sonne und ein mal laues, mal stärkeres Lüftchen. Beste Voraussetzungen für einen Spaziergang und geradezu perfekt für erneuerbare Energien: Windkraft- und Solaranlagen in Deutschland waren an diesem Tag so produktiv, dass sie zeitweise wohl über 90% des bundesweiten Energieverbrauchs deckten. Das geht aus dem Agorameter hervor, einem Statistik-Tool des Thinktanks Agora Energiewende.

Doch die Daten lassen noch auf einen anderen, bizarren Umstand schließen: Weil auch konventionelle Stromerzeuger, also vor allem Kohle- und Gaskraftwerke, kräftig produzierten und somit mehr Strom auf dem Markt erhältlich war als verbraucht wurde, fiel der Preis an der Strombörse am Sonntag für einige Stunden ins Negative. Die Konsequenz: Die konventionellen Kraftwerksbetreiber zahlten in der Spitze bis zu 24 Cent, um eine Kilowattstunde Strom ins Netz einspeisen zu „dürfen“. Eine Wahl hatten sie nicht – speichern können sie den Strom nicht und ein Herunterfahren der großen Anlagen ist aufwendig.

Eine kuriose Situation – die aber wohl nicht völlig ungewöhnlich ist. Die Webseite pv magazine zitiert den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) mit der Äußerung, dass dieses Problem gerade an langen Sommerwochenenden bestehe. Kohlekraftwerke würden mit minimaler Besetzung betrieben, und könnten deswegen ihren Ausschuss nicht drosseln. Gleichzeitig falle der Stromverbrauch der Industrie zu großen Teilen weg. Der Verband fordert daher, im Rahmen der Energiewende die inflexibelsten Kraftwerke zuerst vom Netz zu nehmen, um Vergleichbares in Zukunft zu vermeiden.

Auch, wenn es nur einige Stunden waren: Eine Abdeckung von 90% des Stromverbrauchs lässt auf eine gute Zukunft für erneuerbare Energien in Deutschland hoffen. Für das Jahr 2050, so das Umweltbundesamt, ist das Ziel von 100% Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen realistisch. Im globalen Vergleich steht Deutschland gut da, und doch sind manche Länder schon einen Schritt weiter: Im Sommer 2015 beispielsweise erzeugten Dänemarks Windkraftanlagen zeitweise weit über 100% des landesweiten Stromverbrauchs.

3 Gedanken zu „Energiewende bizarr: Am Sonntag kostete Kohle-Strom -24 Cent pro kW/h

  1. H.bawey sagt:

    Was soll das ?

    Wir brauchen trotz hoher Investitionen in erneuerbaren Energien die Kohlekraftwerke, um die
    Regelleistung von ca. 25 -40 GW täglich zur Sicherung der Netzstabilität zu gewährleisten !
    Solange die dazu notwendigen Alternativen nicht vorhanden sind, ist jede weitere Investition in
    Wind- und Photovoltaik pure Geldverschwendung !

    W

    • Peter Farrenkopf sagt:

      Ob nun Geldverschwendung oder nicht, die Zukunft wird zeigen ob sich die Investition gelohnt hat. Für die Unternehmen / Wirtschaft dieser erneuerbaren Energien läuft es aber derzeit gut, und das wird wohl auch über die Landesgrenze hinaus so gehen..

      • H.bawey sagt:

        Warum läuft es gut ? – weil die „Erneuerbaren – “ enorm subventioniert werden.
        Ausserdem sind die erreichten Leistungswerte nur Stundenweise . Für eine Vollversorgung über
        24 h , 8760 h im Jahr , werden Energiespeicher im mehrstelligem GWh-Bereich benötigt – momentan absolute Utopie!!!

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