Erst Boston, jetzt Japan: Google-Tochterunternehmen stellt zweibeinigen Roboter vor

Nachdem vor einigen Wochen Boston Dynamics‘ Atlas-Roboter weltweit Aufsehen erregte mit seiner Beweglichkeit und Vielseitigkeit, hat jetzt ein weiteres Google-nahes Unternehmen einen humanoiden Roboter vorgestellt. Auf der Tokioter Messe New Economic Summit 2016 präsentierte Schaft, ein Tochterunternehmen von Googles Eigentümerin Alphabet Inc., am letzten Donnerstag den noch namenlosen Zweibeiner.

Im direkten Vergleich zu Atlas, gefeiert als bisher beeindruckendstes Beispiel menschenähnlicher Robotik, wirkt der Apparat von Schaft unscheinbar. Das Boston Dynamics-Team orientierte sich schon bei älteren Modellen wie dem Cheetah an tierischem Körperbau, und auch Atlas ist mit deutlich identifizierbarem Torso, Kopf und Armen ausgestattet. Der Schaft-Roboter dagegen wurde offensichtlich so simpel wie möglich gehalten und besteht aus wenig mehr als einem zentralen Gehäuse für Elektronik und zwei hydraulischen Beinen.

Das tut seiner Beweglichkeit keinen Abbruch: Das Demonstrationsvideo zeigt, wie er enge Treppen navigiert, schwer beladen einen Slalom-Kurs absolviert oder über unebenen Waldboden, Schnee, einen Sandstrand und Kieselsteine läuft. Sogar eine Eisenstange, die dem laufenden Roboter unter die Füße gerollt wird, kann ihn nicht aus der Balance bringen. Damit ist seine Beweglichkeit beinahe mit der von Atlas zu vergleichen, wobei er allerdings deutlich langsamer ist.

Mit diesen Entwicklungen steht Alphabet bzw. Google an der Spitze einer zukunftsweisenden Industrie, die in Jahren oder Jahrzehnten unsere Lebenswelt radikal verändern könnte. Doch gerade diese Unsicherheit auf der Zeitachse sorgt bei dem Branchenriesen anscheinend für Zweifel: So wurde bekannt, dass Boston Dynamics derzeit zum Verkauf steht.

Warum dieser Schritt, nachdem Atlas die Welt begeisterte? Spekulationen deuten darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit Googles anderen Robotik-Sparten zu wünschen übrig ließ. Auch finanzielle Überlegungen können beigetragen haben. Es ist unwahrscheinlich, dass so komplexe und teure Modelle wie Atlas mittelfristig Einsatz außerhalb der Forschung finden werden. Bei Googles japanischem Roboter ist das anders: Sein vergleichsweise einfacher Aufbau könnte seine Herstellung so günstig machen, dass kommerzielle Anwendungen in wenigen Jahren realisierbar wären.

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