Forschungsprojekt „Elektrick“: Spray aus der Dose macht jede beliebige Oberfläche zum Touch-Sensor

Eine Beispielanwendung für das Elektrick-System (Screenshot von Youtube)

Eine Beispielanwendung für das Elektrick-System (Screenshot von Youtube)

Seit dem Siegeszug des iPhones ist Touch-Funktionalität allgegenwärtig in unserer Elektronik. Smartphones, Tablets, immer häufiger auch Laptops und Desktop-PCs wie das Microsoft Surface Studio nutzen die Technologie – die allerdings noch immer sehr kompliziert und teuer herzustellen ist. Das könnte sich jetzt ändern, denn ein US-Forschungslabor hat „Elektrick“ vorgestellt: Eine Methode, beliebige Oberflächen in Berührungs-Sensoren zu wandeln.

Die Future Interfaces Group an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania hat das System entwickelt. Eine beliebige Oberfläche wird per Spray mit einer leitenden Schicht überzogen. Anschließend werden an bestimmten Stellen Elektrodenpaare platziert. Sie leiten eine Stromspannung durch die Schicht, die sich auf bestimmte Art ausbreitet. Wird die Oberfläche nun mit einem Finger berührt, verändert sich diese Ausbreitung. Ein Computer-Algorithmus verarbeitet die Messungen der verschiedenen Elektroden und kann somit präzise Ortungsangaben für die Berührung machen.

Das überraschend simple Konzept hat immenses Potential, weil es voraussichtlich sehr günstig implementiert werden kann. Elektronische Whiteboards beispielsweise für Klassen- oder Seminarräume sind horrende teuer. Mit Elektrick würden das leitende Spray, ein paar Elektrodenpaare und ein Beamer reichen, um vergleichbare Resultate zu erzielen.

In dem Video demonstrieren die Forscher_innen etliche theoretische Anwendungen, die zeigen, wie vielseitig die Methode ist. Nach der Behandlung einer Gitarre kann so die Berührung bestimmter Stellen des Instruments den Sound verändern oder einen Effekt steuern. Ein Auto-Lenkrad wird zum Sensor für Lautstärke-Steuerung, eine Ecke vom Handycase zum Kamera-Shortcut. In einem weiteren Beispiel wurden ein kompletter Schreibtisch mit dem Spray überzogen und anschließend Bierdeckel-große Papier-Marker platziert. Nach einer Verknüpfung innerhalb des Systems dienen sie als physische Shortcuts für Computer-Programme.

Elektrick wirkt auf den ersten Blick extrem vielversprechend: Wenn Spray und Elektroden günstig sind und die Software nicht als proprietäres Produkt für horrende Summen vertrieben wird, könnte dieses System in einigen Jahren unsere Computernutzung ähnlich ändern, wie es Smartphones getan haben.

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