Gatebox: Eine virtuelle Partnerin für die Einsamen dieser Welt

Azuma Hikari, der erste verfügbare Charakter für die Gatebox (Screenshot von Youtube)

Azuma Hikari, der erste verfügbare Charakter für die Gatebox (Screenshot von Youtube)

Japans Popkultur ist sehr speziell: Obwohl Mangas, Anime, J-Pop und Co. weltweit sehr viele Fans haben, werden die Erzeugnisse des kleinen Inselstaates häufig belächelt, gerade von Befürwortern einer Dichotomie von Hochkultur vs. niedere Kultur. Für handfeste Kritik sorgt dabei mitunter die Darstellung weiblicher Charaktere: Hypersexualisiert und nicht selten an Pädophilie grenzend seien die Zeichnungen und 3D-Modelle.

Unbeeindruckt davon verfolgen Millionen häufig junger Männer auf der ganzen Welt regelmäßig mit Hingabe die Abenteuer ihrer virtuellen Angebeteten. In einem kulturellen Klima, in dem Einsamkeit und selbstgewählter sozialer Ausstieg keine Randerscheinungen mehr sind – weder in Japan noch anderswo – hat sich mittlerweile eine Subkultur gebildet, die ihren Waifus (japanische Aussprache des englischen Wortes wife) ewige Treue schwören.

Ähnlich wie bei Real Dolls – lebensechte Puppen, die mit ihren „Besitzern“ zusammenleben – wäre es fatal, die Waifu-Subkultur als pervers oder lächerlich abzustempeln. Die Charaktere haben reale Rollen, erfüllen reale soziale und emotionale Funktionen in den Leben ihrer „Ehemänner“ oder „Freunde“, von denen manche die Beziehung mit einem lebensgroßen so genannten Waifu-Kissen noch greifbarer machen möchten.

EIn japanisches Unternehmen bringt diesen Menschen jetzt das ultimative Gadget: Mit einer Mischung aus Hologramm und sprachgesteuerter Assistentin à la Amazon Echo erweckt die Gatebox eine virtuelle Partnerin zum Leben.  Der Name des ersten Charakters ist Azuma Hikari, vermutlich wird Gatebox mit der Zeit noch weitere Charaktere anbieten. Wie das Gerät aussieht und funktioniert, zeigt ein Youtube-Video:

Es ist einfach, eine  Beziehung wie die dargestellte zu verspotten, und das nicht nur wegen Azuma Hikaris äußerer Darstellung: Auf ihrer eigenen Webseite und im Video wird sie als stereotyp häuslich und fürsorgend dargestellt. Sie erinnert ihren „Partner“ daran, einen Regenschirm mitzunehmen, fragt ihn per SMS, wann er endlich nach Hause kommt und schaltet Lichter und Heizung an, damit die Wohnung bei seiner Ankunft wohnlich erscheint.

Doch die Realität ist, in Japan und anderswo, dass viele junge Menschen alleine leben und einsam sind – und nicht für alle dieser Menschen ist es die Lösung, „einfach rauszugehen“ und „einfach jemanden zu finden“. Das gibt auch ein Kommentator eines Artikels zur Gatebox angesichts von spöttischen Kommentaren zu denken: „You’re all acting like getting and keeping a loved one is easy for anyone.“

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