(Falschmeldung) Geflüchteter stirbt nach tagelangem Anstehen in der Kälte: Kritik am LaGeSo brandet wieder auf

 

Wartende am LaGeSo, August 2015 (Foto: Flickr-User Sebaso, Ausschnitt)

Wartende am LaGeSo, August 2015 (Foto: Flickr-User Sebaso, Ausschnitt)

Update, 28.1.2016, 9:30 Uhr:
Ich hätte es nicht für möglich gehalten (und Moabit Hilft anscheinend auch nicht), aber der vermeintliche tragische Todesfall am LaGeSo scheint frei erfunden zu sein.  Im Rückblick wird klar, dass ich, wie viele andere Medien es getan haben, die Darstellungen in den Konjunktiv hätte setzen müssen. Zu Dokumentations-Zwecken bleibt der nicht-kursive Text dieses Artikels so bestehen, wie er ursprünglich veröffentlicht wurde.

Update, 27.1.2016, 14:15 Uhr: 
Der Korrektheit halber soll hier angemerkt werden, dass mittlerweile von verschiedenen Stellen Zweifel an dem geschilderten Ablauf geäußert werden. Polizei und Behörden haben den Todesfall bisher noch nicht bestätigt. Die Darstellungen im ersten sowie im letzten Absatz dieses Artikels stützen sich ausschließlich auf die Informationen, die im verlinkten Facebook-Post von Reyna Bruns zu finden sind. Die Validität der Kritik an LaGeSo und Senat wird hiervon jedoch nicht berührt.

Ein 24-jähriger syrischer Geflüchteter ist in der vergangenen Nacht in Berlin gestorben, nachdem er tagelang am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) anstand und dabei offenbar erkrankte. Die Aktivistin Reyna Bruns von der Initiative Moabit Hilft schildert in einem Facebook-Post, wie ein weiterer Freiwilliger den jungen Mann auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete mit hohem Fieber und Schüttelfrost auffand. Während der Fahrt im Krankenwagen erlitt der Syrer anscheinend einen Herzstillstand, wenig später wurde in einer Klinik sein Tod festgestellt.

Der Facebook-Post wurde am frühen Mittwochmorgen bereits über 1000-mal geteilt und facht die Kritik an der Berliner Flüchtlingspolitik generell und den Zuständen am LaGeSo speziell wieder neu an. In ihrem Post beklagt Bruns, dass auf dem Gelände bereits vier Fehlgeburten verzeichnet wurden. Auch der Tod des Jungen Mohamed, der entführt und ermordet wurde, hätte bei einer besseren Unterbringung und Betreuung der Wartenden unter Umständen vermieden werden können.

Schon seit Beginn der offensichtlichen Organisationsprobleme am LaGeSo im Frühjahr/Sommer 2015 ist die Hilfe von Freiwilligen auf dem Gelände unerlässlich. In der Sommerhitze der Monate Juni bis August hatten die Wartenden lange keinen geregelten Zugang zu Trinkwasser, Sanitäranlagen und Schatten. Die Initiative Moabit Hilft leistete wichtige Arbeit und errichtete mit anderen Ehrenamtlichen und Trägern eine provisorische Infrastruktur zur Erstversorgung. Monatelang verbesserte sich die Situation nicht, und mit fallenden Temperaturen wurde die notdürftige Errichtung beheizter Zelte zu einer Priorität. Nicht alle konnten so jedoch versorgt werden, und wartende Personen bei Minusgraden, teils ganze Familien, auf dem Bürgersteig vor dem Gelände wurden für Anwohner_innen der Moabiter Turmstraße zu einem gewohnten Anblick.

Der Hauptvorwurf gegenüber der Verwaltung des LaGeSo und dem verantwortlichen Berliner Sozialsenator Mario Czaja lautet auf Verschleppung dringend notwendiger organisatorischer Änderungen im Aufnahmeprozess, um Wartezeiten zu reduzieren und das Wartesystem transparenter und fairer zu gestalten. Weiterhin wird die Versorgung der Geflüchteten mit dem Nötigsten – Essen, Kleidung, Übersetzung, Hilfe mit Anträgen und Formularen,  Erstbetreuung – noch immer zum großen Teil von Freiwilligen getragen.

So sehen viele Ehrenamtliche, Akivist_innen und Anwohner_innen den Senat und das LaGeSo-Management zumindest in einer Teilverantwortung für die tragischen Vorkommnisse. Es wird sich zeigen, wie die Reaktionen auf diesen Todesfall ausfallen – und ob nun endlich auf eine nachhaltige Veränderung der Situation hingearbeitet wird.

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