Glossar „Alt Right“: Die neue Rechte in den sozialen Medien – Cuck

Illustration zum Glossar Alt Right, Eintrag Cuck, oder Cuckold, Cuckservative

„Cuck“ ist die Abkürzung für das Wort cuckold, oder aber für den Neologismus „Cuckservative“, was wiederum eine Wortkreuzung von conversative und cuckold ist.

Cuckold ist die englische Bezeichnung für einen Mann, dessen Ehefrau mit einem Dritten Sex hatte oder hat. Im Deutschen entsprechen dem die Begriffe „Gehörnter Ehemann“ oder „Hahnrei“. Im Kontext von BDSM-Szene und sexuellen Fetischen nehmen Männer diese Rolle mitunter freiwillig ein; in diesem Fall ist auch in deutschsprachigen Regionen die Bezeichnung Cuckold gängig.

Bereits früh feierte Alt Right-Maskottchen Milo Yiannopoulos auf der Alt Right-Webseite Breitbart die Bezeichnung cuckservative als „gloriously effective“ in der ideologischen Auseinandersetzung innerhalb der Rechten. Beginnend mit den Vorwahlen zur Ermittlung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten vereinnahmten vor allem Trump-Supporter den Begriff, mit dem Jeb Bush, Ted Cruz und die restliche konservative Konkurrenz als zu weich und passiv kritisiert wurden.

Auf der offensichtlichen Ebene ist die Verwendung des Begriffs durch Vertreter der Alt Right-Bewegung also eine relativ simple Beleidigung, die die Männlichkeit bzw. sexuelle Selbstbestimmung eines vermeintlich zu liberal eingestellten Konservativen angreift. Mit dem Akronym RINO (republican in name only) existiert in den USA seit Jahrzehnten ein ähnlicher, wenn auch nicht sexuell aufgeladener Begriff.

Doch cuck enthält noch mehr Bedeutungsebenen, welche die Beliebtheit des Wortes in der neuen Rechten und die vielfache Verwendung in sozialen Medien erklären. Analog zu der Vereinnahmung des Wortes durch die BDSM-Szene soll impliziert werden, dass dem so Betrogenen die Misshandlung unter Umständen gefällt oder er sie ohne Widerspruch hinnimmt. Dies wird anschließend mit dem in rechten Kreisen beliebten Konzept eines „weißen Selbsthasses“ der liberalen Linken erklärt.

Last but not least transportiert cuck für Anhänger_innen und Sympathisant_innen der Alt Right auch eine rassistische Codierung. Neben der Verwendung des Begriffs im Fetisch-Kontext findet er auch im Porno-Business Verwendung. Cuck porn beschreibt hier ein Subgenre des so genannten interracial porn, in dem speziell weiße Frauen ihre weißen Ehemänner mit schwarzen Männern „betrügen“ – mal mit, mal ohne das Wissen der Ehegatten.

Und so schließt sich für die Rechte ein assoziativer Kreis in der Verwendung des Wortes cuck, indem es vernetzt wird mit Konzepten von „Rassenschande“ oder „Asylmissbrauch“, mit dem Sylvester-Vorfall in Köln, Minderwertigkeitskomplexen und generellen, diffusen Ängsten vor dunkelhäutigen, vermeintlich manipulativen, hypersexuellen und gewaltbereiten Menschen.

Der weiße, heterosexuelle Mann, so die kodierte Nachricht, werde gefickt von den dunkelhäutigen Männern, der Mainstream-Presse und dem politischen Establishment. Er werde dazu gedrängt, die ethnische Homogenität und daraus folgernd die soziale und wirtschaftliche Stabilität seines Landes zu kompromittieren (ob durch Einwanderung oder „interethnische“ Beziehungen) und diesen „Missbrauch“ anschließend gut zu heißen – anstatt für eine Reinheit und Trennung der „Rassen“ einzutreten.

Trotz, oder gerade wegen seiner Radikalität resoniert diese Message auch mit den desillusionierten Menschen in Deutschland, die sich der neuen Rechten zuwenden. Die Frage nach dem konservativen Profil von CDU und CSU wird angesichts von Angela Merkels vierter Kanzler-Kandidatur kontrovers diskutiert. Die AfD beansprucht für sich, die neue konservative Kraft in der deutschen Politik zu sein – und könnte im Bundestagswahlkampf 2017 gerade deswegen Begriffe und Konzepte vergleichbar zu cuck einsetzen, um die Polarisierung auch innerhalb der breiten deutschen Rechten noch zu verschärfen.

 

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