Google beendet Project Ara – bad news für modulare Smartphones?

Screenshot von atap.google.com/ara/

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Project Ara ist am Ende: Wie The Verge berichtet, hat Google das Vorzeige-Projekt im Bereich modulare Smartphones eingestellt – obwohl die Ara-Webseite zur Zeit noch verspricht, im Herbst 2016 Entwickler-Muster zu verschicken. Ara basierte auf dem visionären 2013er Phonebloks-Konzept des Holländers Dave Hakkens und war Fokuspunkt vieler Hoffnungen in der modular tech-Szene.

Über Gründe kann nur spekuliert werden, doch vermutlich war Ara den Google-Oberen zu viel Theorie und zu weit von einem vermarktbaren Produkt entfernt, um (teuer) weiterbetrieben zu werden. Eine schlechte Nachricht für den spannenden und futuristischen Bereich modularer Smartphones? Vermutlich schon, denn Google hätte die Ressourcen und den Appeal gehabt, echte Innovationen voranzutreiben.

Theorie: spannend! Realität: boring

Die Realität bereits existierender modularer Smartphones ist wenig futuristisch und eher unspektakulär: Das Ende 2015 gelaunchte Fairphone 2 wurde – neben dem Versprechen von fairen Rohstoffen und fairer Herstellung – als erstes modulares Handy angepriesen. In der Praxis enttäuschte das Fairphone jedoch oft: Für einen Oberklasse-Preis bekamen User_innen eher mittelmäßige Performance in einem unansehnlichen und sehr großen Gehäuse. Auch über mangelhafte Akkulaufzeit und ein schlechtes Display wurde geklagt. Der selling point Modularität greift dabei bisher nicht wirklich: Es gibt Ersatzteile für das Handy, aber tatsächliche Upgrades sind wohl eher noch Zukunftsmusik.

Vielleicht sucht Fairphone deswegen jetzt etwas mehr den Weg in den Mainstream: Erstmals gibt es das Gerät seit August auch in Deutschland mit einem Mobilfunkvertrag über 1&1. Nach Medienberichten hat Fairphone bisher rund 40- 50.000 Einheiten des Modell 2 absetzen können – ein paar weniger als vom ersten Fairphone, das aber auch deutlich länger erhältlich war. Die Zukunft des Fairphone wird spannend bleiben: Viele sind bereit, für fair trade etwas tiefer in die Tasche zu greifen – aber selbst hier muss das Preis/Leistungsverhältnis ansatzweise passen.

Motorola: Kleine, proprietäre Brötchen

Wie Modularität in Smartphones auch aussehen könnte, zeigt dagegen Motorola mit dem Moto Z und Moto Z Force: Proprietäre Add-Ons zum Anklipsen können den Hochklasse-Handys mehr Akkuleben verpassen, ihren Soundoutput stark verbessern, als Lautsprecher dienen oder sogar als Beamer – ein interessantes System, aber nicht so futuristisch, spannend und potentiell offen, wie es Phonebloks und Project Ara mal waren.

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