Ist das vegan? Restaurants und Schubladen

Krawummel in Münster (Foto: Robert Ott)

Krawummel in Münster (Foto: Robert Ott)

In einem Artikel für die Washington Post stellte eine Autorin vor einigen Tagen ein neues, veganes Restaurant in der Stadt vor – mit dem Aufhänger, dass dort jede Erwähnung des Wortes „vegan“ vermieden werde. Zu oft, so der Inhaber, werde man damit in eine Schublade gesteckt. Gäste würden sein Restaurant gar nicht betreten oder nur mit der Erwartung, auf „einiges verzichten zu müssen“. Stattdessen bezeichnet er seine Speisen als „100% plant based“.

Auch in Deutschland gibt es das hin und wieder, beispielsweise in Münster. 2013 eröffnete hier Krawummel, das erste rein pflanzliche Restaurant der Stadt. Auch dort wird man das Wort „vegan“ vergeblich suchen. In einem Interview weichen die Eigentümer_innen der Frage nach der „Schublade Vegan“ zunächst aus und betonen, dass sie nicht nur eine bestimmte Klientel anziehen wollen. Das funktioniert: An einer belebten Einkaufsstraße gelegen, bekommt der freundlich und hip eingerichtete Laden sehr viel Laufpublikum aller Altersklassen.

Hört sich an wie eine Win-Win-Situation: Veganer_innen bekommen mehr Läden, in denen sie nicht bei jedem Gericht die Zutatenliste sehen müssen. Menschen, die tierische Produkte essen, werden unter Umständen schmackhaft davon überzeugt, dass vegan nicht zwingend mit Grünkern und Löwenzahn gleichzusetzen ist. In manchen Fällen kann so ein non threatening-Ansatz auch ideologische Barrieren aufweichen und das Interesse auch an den ethischen Aspekten pflanzlicher Ernährung fördern.

Aber es gibt auch Kritik. Vegane – oder pflanzliche – Ernährung ist im Trend und wird immer noch hoch gehypt. Immer häufiger kann dabei beobachtet werden, dass Veganismus als Diät betrachtet wird, völlig abgetrennt von den ethischen Gesichtspunkten. Kein Wunder: Eine ausgewogene rein pflanzliche Ernährung gilt als gesund und vollwertig. Teilen der Szene geht das jedoch gegen den Strich. Die Definition von Veganismus schließt eine ethische Ablehnung der Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren explizit mit ein, und dieses Selbstverständnis möchten viele nicht durch einen Health Food-Trend verwässert sehen.

Doch dieser Standpunkt ist in letzter Konsequenz oft schwer zu halten, ohne elitär und exklusiv zu wirken. Fast alle Menschen, die vegan leben, haben eine Übergangsperiode durchgemacht, in der sie verschiedenste Gründe und Motivationen ausloteten. Jede positive, bestärkende Erfahrung kann hier Anstöße geben, sich auch selbst weiter zu informieren – egal, ob der Impuls im- oder explizit „vegan“ war.

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