Objekte der Begierde: Nintendo NX wird wohl wieder mit Speichermodulen arbeiten

Objekt der Begierde: Ein Zelda-Modul für das NES

Goldenes Zelda-Modul für das NES (Foto: Robert Ott)

Zu Nintendos neuer Videospiel-Konsole NX ist noch kaum etwas bekannt – außer, dass sie im März 2017 zusammen mit einem Zelda-Spiel launchen soll. In journalistischer Detektivarbeit hat die Webseite screencritics.co.uk jetzt jedoch starke Indizien für eine kleine Sensation zusammengetragen: Die NX wird wahrscheinlich mit Modulen als Datenspeicher arbeiten anstatt mit optischen Medien.

Die Screen Critics entdeckten dabei in einem finanziellen Statement der taiwanesischen Firma Macronix einen Hinweis auf höhere Gewinnaussichten durch den Launch des NX. Das lässt stark darauf schließen, dass die von dem Unternehmen hergestellten Speichermodule als Medienträger für NX-Spiele genutzt werden. Maxronix hat Nintendo bereits mit den Speicherkarten für die Handheld-Konsole DS beliefert.

Was auf den ersten Blick erscheint wie eine Nebensache, könnte einen technischen Paradigmenwechsel in der Videospielbranche nach sich ziehen. Seit der Veröffentlichung der ersten Sony Playstation 1994/95 waren erst CDs, später DVDs und BDs aufgrund ihrer hohen Speicherkapazität und geringen Herstellungskosten das Medium der Wahl. Selbst teilweise horrende lange Ladepausen wurden hierfür in Kauf genommen.

Die bis dahin verwendeten Module kosteten ein Vielfaches mehr und boten nur wenige Megabyte Speicherplatz. Next Generation-Spiele mit den damals beliebten full motion video-Zwischensequenzen verschluckten die 650 MB einer frühen CD ohne Probleme. Nintendo hielt mit der modulbasierten Konsole N64 noch dagegen, verlor aber Marktanteile an Sony – unter anderem, weil viel Speicher fassende Megahits wie Final Fantasy VII oder Resident Evil auf der CD-basierten Playstation erschienen. Mit dem Gamecube wechselte 2001 auch Nintendo zu optischen Medien.

Heute hat sich das Blatt gewendet. Die 25 Gigabyte einer Blu-ray sind zwar ordentlich und ein Nachfolger steht schon in den Startlöchern – aber die zum Abspielen nötigen Laufwerke sind laut und schwer. Außerdem ist gerade bei großen Blockbuster-Titeln heutzutage standardmäßig der Download einer Datei auf die Konsolen-Festplatte notwendig. Bei GTA V für die PS4 sind das beispielsweise massige 50 GB. Da erscheint ein Umstieg auf variabel herstellbare und nicht mehr übermäßig teure Speichermodule aus praktischer Sicht schon sinnvoll.

Warum dann nicht gleich ganz ohne Medium? Eine zentrale Vertriebsplattform à la Steam, eine Festplatte, fertig. Doch das entspricht nicht Nintendos Philosophie. Zu NES-Zeiten waren die goldenen Zelda-Module wahre Objekte der Begierde, und Nintendos besonderes Talent für Haptik ist an jeder ihrer Konsolen erfahrbar. Vielleicht am wichtigsten: Lange Downloads und dauernde Updates verzögern und versauern die Spielfreude. Die alte Stärke der Module könnte auch ihre neue werden: Keine Ladezeiten, sondern plug’n’play für sofortigen Spielspaß.

Auch der nostalgische Faktor darf nicht unterschätzt werden. Sammler, Spieler und Fans schätzen ihre Module, ob in ungeordneten Haufen oder eingerahmt an der Wand. Die billigen Plastik-Stücke machen Erinnerungen und Erfahrungen greifbar. Retro-Enthusiasten sahen das Ende der Module deswegen stets eher kritisch – entgegen aller wirtschaftlichen und technischen Vernunft.

Dass Videospiele eine Kunstform sind, ist mittlerweile keine Außenseiter-Meinung mehr; insofern ist auch das Medium dieser Kunst keine Nebensächlichkeit. Vielleicht sind Module das Vinyl der Videospielwelt.

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