Ohne Tiere, ohne Öl: MycoWorks erschaffen Leder und Kunststoffe aus Pilzen

Ein Stück Pilzleder von MycoWorks (Screenshot von Youtube)

Ein Stück Pilzleder von MycoWorks (Screenshot von Youtube)

Seit Anfang des Jahres schreibe ich regelmäßig über Politik, Kultur und Nachhaltigkeit auf diesem Blog. Der mit Abstand meistgelesene Text ist dabei überraschenderweise nicht ein politischer Kommentar oder ein hochaktuelles Netzkultur-Stimmungsbild – sondern eine Meldung über einen  lederähnlichen Stoff namens „Muskin“ aus Pilzen.

Pilzleder – So hot right now!

Warum dieser Artikel so häufig angeklickt wird? Eine Mischung aus gutem Google-Ranking und einem offensichtlich sehr großen Interesse an Pilzleder. Veganismus und Nachhaltigkeit sind Trendthemen und starke Wachstumsmärkte, und ein lederähnliches Produkt, das weder tierische Inhaltsstoffe enthält noch ölbasiert ist, ist in mehrfacher Hinsicht vielversprechend.

Außer den Muskin-Herstellern gibt es aber noch andere Unternehmen, die zur Zeit im Bereich Pilzleder forschen. Ganz vorne mit dabei ist das US-Unternehmen MycoWorks aus San Francisco. Ein Video auf dem Youtube-Channel SciFri zeigt jetzt die bereits beeindruckenden Ergebnisse.

Der Kunststoff der Zukunft?

Nicht nur große Decken und Lappen aus Pilzleder präsentiert Philip Ross, Gründer und chief technical officer von MycoWorks dort, sondern sogar (im weitesten Sinne) Kunst-Stoffe, die von Pilz-Organismen unter Anleitung erzeugt wurden. Nötig ist nicht viel mehr als der Pilz, ein Trägerprodukt, wofür sich auch Industrieabfälle wie etwa Sägemehl oder leere Maiskolben eignen, und eine formgebende Umgebung für das wachsende Gebilde. Rund um vier simple Holzstücke als Beine beispielsweise haben Ross und sein Team einen Pilz-Stuhl erschaffen.

Ein Stuhl aus Pilz-Material (Screenshot von Youtube)

Ein Stuhl aus Pilz-Material (Screenshot von Youtube)

Und so sieht MycoWorks die Zukunft des Pilz-Business nicht nur im Leder- oder Modebereich – auch wenn 2017 als erste Produkte Schuhe aus MycoWorks-Material auf den Markt kommen sollen. Stattdessen sollen Pilze die neuen, nachhaltigen Ersatzstoffe für ölbasiertes Plastik, Holz oder sogar Beton und Metall werden.

Mit dem richtigen Pilz, den richtigen Trägerstoffen und den richtigen Wachstumsbedingungen sei der Vielseitigkeit quasi keine Grenze gesetzt: Taschen, Möbel, Smartphones, Laptops, Häuser, Autos aus Pilzen, so Ross, seien in einigen Jahren vielleicht keine Öko-Zukunftsmusik mehr.

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