Open World: Grenzenlos oder begrenzend?

Die letzten Jahre zeigen: Open World ist heute für so genannte AAA-Titel – Videospiele mit großem Budget und Anspruch auf Millionenverkäufe – scheinbar ein Muss. Skyrim, GTA5, Watch Dogs, Shadows of Mordor, Assassin’s Creed, Destiny, jetzt Metal Gear Solid 5 und Mad Max – kein anderes Genre kann einen solchen Hype erzeugen und so viel Hoffnung auf ein beeindruckendes Spielerlebnis geben.

Generell ist das eine gute Sache: Wer will nicht gerne große, belebte, authentische Landschaften und Städte aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkunden, die Stoff bieten für Hunderte Stunden Spielspaß? Versinken und eintauchen in eine andere Welt – das ermöglicht Kunst im Idealfall, ob Literatur, Film oder Videospiele.

Volle Freiheit und fehlende Linearität kann aber auch hinderlich sein und das Potential eines Spiels begrenzen. Denn wo man durch Nebenmissionen treibt und stundenlang die Landschaft bewundert, erscheint die Dringlichkeit, die Hauptmissionen und Storyline vermitteln müssen, manchmal erzwungen.

Manche Designer haben das früh begriffen und schaffen künstliche Barrieren. Die Zelda-Spiele beispielsweise, je nach Definition mal als Open World bezeichnet oder auch nicht, geben in einer technisch gesehen offenen Welt immer einen Weg durch die Story vor. Gut umgesetzt erscheint diese Vorgabe wie der natürliche Verlauf. Auch die frühen GTA-Spiele gingen so vor; in GTA 3 konnte zunächst nur eine der drei Inseln von Liberty City erkundet werden, ebenso in Vice City.

Dass es aber auch heute anders geht, ohne Kompromisse bei der Spielqualität, zeigen etwa „The Last of Us“ oder „Bioshock Infinite“. Beide Spiele geben stets schlauchartige Level mit alternativlosen Pfaden vor. Trotzdem gelten beide als Meisterwerke zeitgenössischer Videospielkunst – oder vielleicht auch deswegen, denn so können Eindrücke, Erfahrungen und Emotionen genau gelenkt werden. Es ist daher kein Zufall, dass diese beiden Spiele nicht nur für Technik, Design und Spielbarkeit, sondern vor allem auch für Story und Dramaturgie hoch gelobt wurden.

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