Schweinefleischpflicht und Leitkultur: Die Diktatur der Mettheit

Heiner Rickers, CDU Schleswig-Holstein, Agrarökonom, schaute jüngst auf sein Land – und es gefiel ihm nicht. Er sah Fenchel und Falafel, Börek und Blumenkohl – aber immer seltener Mett und Kotelett. Was nicht sein darf, kann nicht sein; ist das noch Deutschland? Ein Antrag sollte das wieder geraderücken: Die SPD-Landtagsregierung solle doch bitte dafür sorgen, dass Schweinefleisch in öffentlichen Kantinen sowie im Angebot von Schulen und Kitas serviert würde – dem Ton nach anscheinend obligatorisch.

Der derzeitige Zustand ist ganz klar unhaltbar: Eine Berufsschule in Itzehoe sowie mindestens eine Kita (davon hat Schleswig-Holstein rund 1400) in jedem Wahlkreis des Landes seien bereits schweinefrei. Es ist also quasi nur eine Frage der Zeit, bis Fräulein Ayşe in der Eckernförder Kita Sonnenkinder die IS-Flagge aus der Besenkammer holt.

Es klingt wie Satire, doch für manche Kreise ist ein Leben ohne Schwein anscheinend möglich, aber sinnlos. Leitkultur ist Mettkultur: Das Thema Ernährung trifft in konservativen Kreisen häufig einen besonderen Nerv. Dieselbe Klientel, die auf den unerhörten Vorschlag der Grünen, freiwillig einen „Veggie Day“ einzuhalten, hochgradig allergisch reagierte und die alles regulierende staatliche Gemüse-Tscheka schon an der Macht sah, würde jetzt anscheinend eine Schweinefleischpflicht begrüßen. Das ist hochgradig komisch.

Rickers will seinen Vorstoß sogar explizit als Diskriminierung verstanden wissen: „Der Minderheitenschutz […] darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird.“ Anscheinend ist Schweinefleisch ein Menschenrecht.

Hier liegt ein Kern des Konflikts: Solche „Leitkultur“-Kampagnen sind wenig mehr als die Konstruktion einer kulturellen Programmatik mit politischen Implikationen, die dann sogleich als bedroht dargestellt wird, um ihre Propagierung und Verteidigung zur höchsten Bürger_innenpflicht zu erheben.

Man könnte dagegen regionale und traditionelle Küche lieben und pflegen und trotzdem Konsens suchen: Schweinefleisch war nie Teil einer deutsch-jüdischen Kultur, ist kein Teil deutsch-islamischer Kultur und verliert auch durch Vegetarismus, Veganismus und Health Food-Bewegungen an Bedeutung.

Eine der Kitas gab nun zu Protokoll, es handele sich hauptsächlich um praktische Erwägungen: Schweinefleisch werde immer weniger gegessen, es sei schlicht nicht ökonomisch, dieses weiter zu servieren. Somit wird aus der armen Mehrheit, die von der politisch korrekten EinwanderungsVeganGesundKultur unterdrückt wird, ironischerweise eine Minderheit, was @erzaehlmirnix zu einem treffenden Comic „verwurstet“ hat:

 

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