Selbstfahrendes Auto als Lebensretter? Tesla Autopilot fährt Besitzer zum Krankenhaus

Ein Tesla Model X (Foto: Don McCullough, Lizenz: CC-BY SA 2.0)

Ein Tesla Model X (Foto: Don McCullough, Lizenz: CC-BY SA 2.0)

Erst vor wenigen Wochen kam ein US-Autofahrer in einem Elektroauto ums Leben, das von der Tesla Autopilot-Software gesteuert wurde. Der Vorfall bremste den Hype um selbstfahrende Autos und war Wasser auf den Mühlen von Skeptikern. Doch nun sorgt der Tesla Autopilot für neue, positive Schlagzeilen: Die Webseite Slate berichtet, dass der 37-jährige Joshua Neally während der Heimfahrt von der Arbeit im US-Bundesstaat Missouri eine Lungenembolie erlitt. Sein Tesla Model X-Geländewagen fuhr ihn demnach anschließend für eine Strecke von rund 32 Kilometern autonom zu einem Krankenhaus – was unter Umständen Neallys Leben gerettet hat.

Der Software Tesla Autopilot wurde von Tesla-Mastermind und CEO Elon Musk 2014 angekündigt und ist seit Ende 2015 öffentlich verfügbar. Dem futuristischen Ideal selbstfahrender Autos entspricht ein Tesla auch mit Autopilot noch lange nicht. Offiziell ist der Autopilot eher als Entlastung für den oder die Fahrer_in gedacht – ein Luxus-Tempomat, der automatisch abbremst, beschleunigt und auch lenkt. Das funktioniert am besten und sichersten auf Autobahnen und ähnlichen Straßen mit klar getrennten Fahrbahnen und Spuren. Tesla betont, dass Autofahrer_innen trotz aktiviertem Autopiloten voll aufmerksam sein und die Hände auf dem Lenkrad platzieren müssen. Laut Medienberichten scheint das Programm aber auch hands off zu funktionieren.

Im Fall von Joshua Neally war das wohl ein potentieller Lebensretter. Laut Slate verspürte Neally während der Fahrt auf dem Highway starke Schmerzen. Anstatt anzuhalten und einen Krankenwagen zu rufen – die am nächsten liegende Lösung -, entschied er sich offenbar dafür, die Route zu einem Krankenhaus in das Navigationsgerät einzugeben (der Artikel erwähnt diesen Schritt nicht explizit). Den Großteil des Weges dorthin fuhr der Autopilot demnach völlig eigenständig, lediglich einen kurzen Weg auf den Parkplatz des Hospitals konnte Neally selbst noch übernehmen. An die 30 km Highway-Fahrt erinnere er sich dagegen kaum noch.

Heroische Software? Ganz normale Funktion? Vorlage für Notfall-Systeme? Oder unverantwortliches Handeln vom Eigentümer des Autos? Wie auch der Todesfall wird „der Autopilot als Lebensretter“ weitere Diskussionen um das Tesla-System speziell und selbstfahrende Autos generell auslösen. Völlig legitim ist die Einschätzung, dass ein ausgereiftes Selbstfahr-Programm gerade bei langen Strecken aufmerksamer ist und weniger Fehler macht als ein Mensch.

Gerade diese wenigen Fehler aber werden genauestens beleuchtet werden – weil sie scheinbar Entscheidungen über Leben und Tod einem Computer überlassen. Doch Straßenverkehr ist ein hochkomplexes und dynamisches System, in dem Fehler auf Dauer unvermeidbar sind. Die Diskussion ist währenddessen hoch emotional und fokussiert weniger objektive Sicherheit als den scheinbaren Gegensatz von Mensch und Maschine. Da rücken selbst über eine Million Verkehrstote pro Jahr weltweit in den Hintergrund.

Ein Gedanke zu „Selbstfahrendes Auto als Lebensretter? Tesla Autopilot fährt Besitzer zum Krankenhaus

  1. JuergenVagt sagt:

    Barcamp: Autos und Verkehr der Zukunft

    Hallo,

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