Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Echokammer

Eine Illustration für den Eintrag "Echokammer" im Glossar "Alt Right" - Neue Rechte in den sozialen Medien

Der erste Artikel in dieser Reihe im neuen Jahr 2017 behandelt keinen konkreten Begriff oder Code innerhalb der Alt Right, sondern eine der technologischen Voraussetzungen für das Aufkommen und Erstarken dieser neuen rechten Bewegung: Die so genannte Echokammer.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Akustik und der Tontechnik und beschreibt einen Raum, der zu Aufnahmezwecken speziell konstruiert wurde, um einen Halleffekt zu erzeugen.

Im Social Media-Kontext wird mit dem Begriff Echokammer (auch Filterblase, englisch echo chamber oder filter bubble) der Zustand beschrieben, dass User_innen online häufig ausschließlich solche Inhalte und Meinungen präsentiert bekommen, denen sie ohnehin zustimmen.

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Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Eine Einführung

Illustration Alt Right

Von Robert Ott

Das Jahr 2016 geht seinem Ende zu. In den letzten sechs Monaten haben zwei Ereignisse die Welt geschockt, die noch vor einer Weile als undenkbar galten: Das Brexit und der Sieg Donald Trumps im Rennen um die US-Präsidentschaft. Zwei Entscheidungen, zwei Siege für die populistische Rechte, über deren mittel- und langfristige Auswirkungen nur spekuliert werden kann.

FIrst we take Manhattan, then we take Berlin

In Deutschland wird nun natürlich nervös in Richtung Herbst 2017 geschielt. An einem Termin zwischen dem 23. August und dem 22. Oktober findet die Wahl des 19. Deutschen Bundestags statt, und die Sorge vor einer immer stärkeren AfD ist real: Sie ist, zusammen mit Pegida, ohne Zweifel die deutsche Vertretung der neuen Rechten.

Die Frage ist dabei nicht nur: Wie, wenn überhaupt, kann man einer breiten, von Mainstream-Politik frustrierten rechtsorientierten Wählerschaft klarmachen, dass Populismen, simplifizierte und verkürzte Ansätze und ethnischer Nationalismus weder in England, noch in den USA, noch in Deutschland Probleme lösen werden?

Die Frage ist auch: Wie geht man mit der neuen jungen Rechten in den sozialen Medien um, der selbsternannten „Alt Right“ oder Alternativen Rechten? Seit klar ist, dass Steve Bannon der ranghöchste Berater des neuen Präsidenten Trump wird, bemerken auch große deutsche Medien wie Welt oder Spiegel den Paradigmenwechsel: Bannon ist der Vorstandsvorsitzende von Breitbart News, einer der ideologischen Geburtsorte und Stützpunkte der Alt Right. Damit ist sie in dem von ihr eigentlich so verhassten politischen Establishment angekommen.

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England: Brexit-Befürworter blamiert sich im Radiointerview

Gespenst Brexit: Seit der überraschenden Entscheidung für das Verlassen der EU sind selbst viele der ehemaligen „Leave“-Befürworter im Vereinigten Königreich skeptisch geworden. Das einst glorreiche britische Pfund stürzt ab, die prominenten Anti-EU-Wahlkämpfer Boris Johnson und Nigel Farage hatten dreist gelogen – und die düpierte Rest-EU drängt auf einen schnellen und ökonomisch schmerzhaften Austritt, der wohl im kommenden Frühjahr beginnen wird.

Leave what?

Doch nicht alle, die gegen den Verbleib gestimmt hatten, sehen eine düstere Zukunft. Der selbständige Elektriker Ashley (Nachname unbekannt) aus Pinner im Nordosten Londons rief gestern in einer Radio-Talkshow des Senders LBC an, um seine Unterstützung für das Brexit zu bekräftigen. Er begrüße, dass die UK nach dem Austritt wieder „volle Kontrolle über die eigenen Gesetze“ haben werde – ein beliebtes Argument im „Leave“-Lager. Dafür wäre er bereit, „kurzfristige ökonomische Nachteile“ in Kauf zu nehmen.

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Völkisch by Nature

Frauke Petry 2016 in München (Foto: Harald Bischoff, Ausschnitt, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Frauke Petry 2016 in München (Foto: Harald Bischoff, Ausschnitt, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Ein Kommentar von Robert Ott

Ein bisschen Sommerloch, ein bisschen Wahlkampf, ein bisschen Provokation: Frauke Petry wundert sich öffentlich, warum der Begriff „völkisch“ immer negativ konnotiert ist. Die Lügenpresse stürzt sich drauf und spekuliert über Hintergründe – ist Frau Petry etwa historisch völlig unbeleckt? Auf jeden Fall hat sie unrecht!

Volk, Volksgemeinschaft, völkisch – der Aufschwung für die neue, identitäre, „seriöse“ Rechte im Schwung von AfD und Pegida bringt Themen in den bundesdeutschen Mainstream-Medienzirkel von Leitartikeln und Talkshows, die vorher die völlig isolierte NPD beinahe alleine besetzte – abgesehen von ein paar Hinterbänklern und Überzeugungstäterinnen, die im Schatten der großen Parteien die real existierende, rassistische Basis in der deutschen Provinz bedienen durften und dürfen.

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AfD bleibt offen für die extreme Rechte

"Fuck AfD"-Graffiti in Berlin-Neukölln (Foto: Robert Ott)

„Fuck AfD“-Graffiti in Berlin-Neukölln (Foto: Robert Ott)

EIn Kommentar von Robert Ott

Schadenfreude ist eine niedere Form der Freude – aber dennoch kann ich mir ein Schmunzeln meist nicht verkneifen, wenn (aus meiner bescheidenen Sicht) Idioten sich gegenseitig an die Gurgel gehen. So ging’s mir bei der Selbstzerfleischung der NPD oder bei Trumps letztem Fauxpas. Nur bei der AfD bleibt mir das Lachen manchmal im Halse stecken – weil Grabenkämpfe und interne Revolten diese einstige wirtschaftsorientierte „Anti-Euro-Partei“ zu einem veritablen Sammelbecken für seriös posierende Rechtsextremisten gemacht hat. Das Ziel: Die Salonfähigkeit von fremden- und demokratiefeindlichen Positionen.

Dasselbe Muster jetzt in Sachsen-Anhalt: Dort hat mit André Poggenburg ein strammer Rechtsnationaler den Landesvorsitz inne, der die Identifikation mit völkischer Ideologie nicht scheut. Unter der Führung von Daniel Roi, dem parlamentarischen Geschäftsführer der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt, wandte sich eine Gruppe von Abgeordneten im Juni gegen einen weiteren Rechtsruck der Partei und forderte eine klare Abgrenzung von NPD, identitärer Bewegung und anderen rechtsextremen Strömungen. Dafür sprach der Vorstand der Landespartei Roi jetzt eine Rüge aus.

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Frauke Petry redet nicht gerne mit Anti-Rassisten

Polarisierenist lustig: Frauke Petry (Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu, Ausschnitt)

Polarisieren ist lustig: Frauke Petry (Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu, Ausschnitt)

Kleiner Aufreger zum Wochenstart: Wie weithin berichtet wurde, war die AfD-Vorsitzende Frauke Petry am Montag im ZDF-Morgenmagazin zu einem Interview mit der Journalistin Dunja Hayali eingeladen; und nach Nichterscheinen erneut für Dienstag, was sie aber ablehnte. Nach einigem Rumdrucksen über Termingründe oder E-Mailschwund durch eine ominöse DDoS-Attacke wird jetzt immer klarer: Wahrscheinlich wollte Petry einfach nicht mit Hayali sprechen, die sich in der Vergangenheit mehrfach deutlich zu gesellschaftlichen Themen positioniert hat.

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Der „Asylabwehr“-Panzer und die Satire: Finde den Fehler

 

Karneval. Die fünfte Jahreszeit. Eine Gelegenheit, in jeder Hinsicht mal ordentlich auf die Kacke zu hauen. Wie mittlerweile bestens bekannt, wollten ein paar Narren in Thüringen der political correctness so richtig eins auswischen und fuhren mit einem nachgemachten Panzer auf – geschmückt von einem eisernen Kreuz und den Aufschriften „Asylpaket III“ und „Ilmtaler Asylabwehr“. Ein Zuschauer ließ die Kirche nicht im Dorf, es wurde publik, große Aufregung, die Staatsanwaltschaft ermittelt, und jetzt die Gegen-Aufregung: Ist das nicht Satire? Darf die nicht alles?

Die richtige Frage ist vielleicht nicht unbedingt: „Ist das legal?“, sondern eher „Ist das angemessen?“ Das würde im Zweifelsfall den Satiriker von der Zynikerin unterscheiden. Aber zunächst zwei weitere Karnevalsperlen anno 2016, frisch aus der deutschen Volkseele: Behausungen von „Indianern“, gemeint sind die Ureinwohner Nordamerikas, mit der sinngemäßen Beschriftung, dass diese sich „auch“ nicht der Einwanderung widersetzen konnten und nun in Reservaten lebten; und ein Wagen mit dem Banner: „Wir sitzen auf dem Pulverfass und Mutti sagt, wir schaffen das“. So weit, so beschämend.

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LaGeSo und Lisa – Zwei Fälle, zwei Wahrheiten

In Berlin gab es in der vergangenen Woche zwei gute Nachrichten: Kein Geflüchteter ist gestorben, nachdem bzw. weil er tagelang in der Kälte vor dem LaGeSo anstehen musste; und ein 13-jähriges Mädchen namens Lisa wurde nicht 30 Stunden lang festgehalten und vergewaltigt. Zwei Nicht-Ereignisse, die Öffentlichkeit und die Medien polarisiert haben: Bittere Anschuldigungen, sobald die (Falsch-)Meldungen umhergingen – und Sprachlosigkeit, nachdem die tatsächlichen Umstände bekannt wurden.

Ihr Ablauf sagt viel aus über die Gesellschaft, die solche Behauptungen ermöglicht: Ein Mann stellt dar, wie einer der tausenden Wartenden vom LaGeSo durch die bekannten katastrophalen Umstände auf dem Gelände angeblich so erkrankt, dass er letztendlich stirbt; und ein junges Mädchen versucht, einer unangenehmen Situation zu entgehen durch die Ausflucht, sie wäre von „Migranten“ misshandelt worden. Beide Nachrichten wurden von Millionen Menschen in kürzester Zeit als Fakt akzeptiert.

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