Heikle Balance: Initiativen gegen die Massenunterbringung von Geflüchteten

Bebauungspläne des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld (Screenshot der Seite thf100.de)

Bebauungspläne des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld (Screenshot der Seite thf100.de)

Willkommenskultur und Brandanschläge: Die deutsche Bevölkerung schickt den ankommenden Geflüchteten durchaus gemischte Signale. Doch nicht nur im großen Gesamten ist in der so genannten Flüchtlingspolitik nicht alles schwarz-weiß. Auch im Detail wird die Beantwortung der Frage, wer auf wessen Seite steht, manchmal schwierig – oder ist gar die Frage falsch? In den letzten Tagen berichtete unter anderem die Süddeutsche Zeitung von Initiativen in Hamburg, die den Bau von Unterkünften verhindern wollen – aber vehement bestreiten, flüchtlingsfeindlich zu sein.

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Der „Asylabwehr“-Panzer und die Satire: Finde den Fehler

 

Karneval. Die fünfte Jahreszeit. Eine Gelegenheit, in jeder Hinsicht mal ordentlich auf die Kacke zu hauen. Wie mittlerweile bestens bekannt, wollten ein paar Narren in Thüringen der political correctness so richtig eins auswischen und fuhren mit einem nachgemachten Panzer auf – geschmückt von einem eisernen Kreuz und den Aufschriften „Asylpaket III“ und „Ilmtaler Asylabwehr“. Ein Zuschauer ließ die Kirche nicht im Dorf, es wurde publik, große Aufregung, die Staatsanwaltschaft ermittelt, und jetzt die Gegen-Aufregung: Ist das nicht Satire? Darf die nicht alles?

Die richtige Frage ist vielleicht nicht unbedingt: „Ist das legal?“, sondern eher „Ist das angemessen?“ Das würde im Zweifelsfall den Satiriker von der Zynikerin unterscheiden. Aber zunächst zwei weitere Karnevalsperlen anno 2016, frisch aus der deutschen Volkseele: Behausungen von „Indianern“, gemeint sind die Ureinwohner Nordamerikas, mit der sinngemäßen Beschriftung, dass diese sich „auch“ nicht der Einwanderung widersetzen konnten und nun in Reservaten lebten; und ein Wagen mit dem Banner: „Wir sitzen auf dem Pulverfass und Mutti sagt, wir schaffen das“. So weit, so beschämend.

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LaGeSo und Lisa – Zwei Fälle, zwei Wahrheiten

In Berlin gab es in der vergangenen Woche zwei gute Nachrichten: Kein Geflüchteter ist gestorben, nachdem bzw. weil er tagelang in der Kälte vor dem LaGeSo anstehen musste; und ein 13-jähriges Mädchen namens Lisa wurde nicht 30 Stunden lang festgehalten und vergewaltigt. Zwei Nicht-Ereignisse, die Öffentlichkeit und die Medien polarisiert haben: Bittere Anschuldigungen, sobald die (Falsch-)Meldungen umhergingen – und Sprachlosigkeit, nachdem die tatsächlichen Umstände bekannt wurden.

Ihr Ablauf sagt viel aus über die Gesellschaft, die solche Behauptungen ermöglicht: Ein Mann stellt dar, wie einer der tausenden Wartenden vom LaGeSo durch die bekannten katastrophalen Umstände auf dem Gelände angeblich so erkrankt, dass er letztendlich stirbt; und ein junges Mädchen versucht, einer unangenehmen Situation zu entgehen durch die Ausflucht, sie wäre von „Migranten“ misshandelt worden. Beide Nachrichten wurden von Millionen Menschen in kürzester Zeit als Fakt akzeptiert.

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(Falschmeldung) Geflüchteter stirbt nach tagelangem Anstehen in der Kälte: Kritik am LaGeSo brandet wieder auf

 

Wartende am LaGeSo, August 2015 (Foto: Flickr-User Sebaso, Ausschnitt)

Wartende am LaGeSo, August 2015 (Foto: Flickr-User Sebaso, Ausschnitt)

Update, 28.1.2016, 9:30 Uhr:
Ich hätte es nicht für möglich gehalten (und Moabit Hilft anscheinend auch nicht), aber der vermeintliche tragische Todesfall am LaGeSo scheint frei erfunden zu sein.  Im Rückblick wird klar, dass ich, wie viele andere Medien es getan haben, die Darstellungen in den Konjunktiv hätte setzen müssen. Zu Dokumentations-Zwecken bleibt der nicht-kursive Text dieses Artikels so bestehen, wie er ursprünglich veröffentlicht wurde.

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Die VoKü, die Bezirksregierung und das „richtige Essen“: Unwürdige Posse um Hilfe für Geflüchtete

Screenshot Volxküche München

Screenshot der Facebook-Seite der Volxküche München e.V. am 11. Dezember 2015

You can’t make this shit up: Eine Gruppe Menschen engagiert sich ehrenamtlich, kocht und verteilt Essen an geflüchtete Menschen – und wird dafür am Ende verspottet und ausgebootet. Eine grundlegende Versorgung von ankommenden Menschen – die Verantwortung hierfür liegt eigentlich bei den öffentlichen Stellen. Dass das anscheinend nicht nur am LaGeSo in Berlin, sondern auch in München teilweise schief läuft, zeigt dieses aktuelle Beispiel.

So genannte Volxküchen (auch VoKüs) bildeten sich in den autonomen Hausbesetzer- und Punkszenen der 80er und haben meist die Form eines regelmäßigen Treffs zum gemeinschaftlichen Kochen, Essen zum Selbstkostenpreis bzw. kostenfrei für Bedürftige. Die Volxküche München e.V. ging einen Schritt weiter und versorgte ab Sommer 2015 geflüchtete Menschen in der Münchener Erstaufnahmestelle Richelstraße mit warmem Essen und Getränken. Wie in der Szene üblich, wurde rein vegan gekocht – was den Vorteil hat, dass das Essen immer halal ist (und koscher, und laktosefrei, und natürlich ethisch unbedenklich).

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LaGeSo: Symbol des Versagens

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, auch LaGeSo genannt, ist mittlerweile bekannt und berüchtigt aus Medien weltweit. In dem Amt im Stadtteil Moabit befindet sich die ZAA, die Zentrale Annahmestelle für Asylbewerber. Hier werden Menschen registriert, die in Deutschland Asyl beantragen wollen und in Berlin angekommen sind. Sie bekommen einen Platz in einer Unterkunft zugewiesen, meist ein so genanntes Flüchtlingsheim, ihre elementare Grundversorgung wird gesichert und sie werden auf den Behördenweg in Richtung Asylantrag geschickt.

So jedenfalls sollte es idealerweise laufen – tut es aber seit Monaten schon nicht mehr. Von einer mir nahestehenden Person, die auf demselben Gelände arbeitet, kriege ich etwa seit Frühjahr täglich Updates über die Situation am LaGeSo. Ich hörte von überlangen Warteschlangen, von hunderten, bald tausenden kampierenden Menschen ohne Wasser- und Toilettenversorgung, noch bevor das Wort „LaGeSo“ zum Allgemeinplatz in den Medien wurde. Weiterlesen