United Airlines provoziert einen Shitstorm biblischen Ausmaßes – jetzt auch in China

 

United Airlines hat ein PR-Problem. Erst war es relativ klein, jetzt ist es groß – so groß, dass es unter Umständen andauernde Auswirkungen auf Image und Wirtschaftlichkeit der drittgrößten Fluggesellschaft der Welt haben könnte.

Es begann gestern Abend (europäische Zeit), als erste Videos und Posts in den sozialen Medien auftauchten. Aufgrund der Überbuchung eines Fluges von Chicago nach Louisville suchte das Bordpersonal nach Freiwilligen, die für 200 US-Dollar Prämie und eine Hotelübernachtung bereit gewesen wären, auf ihre Plätze zu verzichten. United benötigte die Plätze außerdem, da eine zweite Bordcrew einen folgenden Flug erreichen musste.

Weiterlesen

Let’s talk about sex: Pornhub startet Sex Education-Blog

Ein Artikel auf Pornhubs neuem Sexualkunde-Blog (Screenshot von pornhub.com/sex)

Ein Artikel auf Pornhubs neuem Sexualkunde-Blog (Screenshot von pornhub.com/sex)

Vor einigen Jahren suchte der kanadische Wissenschaftler Simon-Louis Lajeunesse Teilnehmer für eine Studie. Speziell brauchte er männliche Mittzwanziger, die in ihrem Leben noch niemals Pornographie konsumiert hatten. Er fand – niemanden. Keine einzige Person.

Diese Geschichte ist mittlerweile fester Teil des popkulturellen Diskurses um Porno im Kommunikationszeitalter. Wahrscheinlich rund 70% aller Männer und 30% aller Frauen konsumieren regelmäßig Pornos, Schätzungen zufolge erwirtschaftet die Branche insgesamt mehr Gewinn als Google, Apple, Microsoft und Amazon zusammen.

Weiterlesen

Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Pepe

Eine Illustration zum Eintrag "Pepe" im Glossar "Alt Right" - Neue Rechte in den sozialen Medien

Dieser Teil der Reihe „Glossar Alt-Right“ widmet sich einem der skurrilsten Aspekte dieser neuen rechten Bewegung in den sozialen Medien: Dem Frosch Pepe. Pepe, eine ursprünglich unpolitische Comicfigur, wurde über Umwege ein beliebtes Meme und schließlich von der Alt Right vereinnahmt. Mittlerweile stufen manche Akteure und Organisationen die Froschfigur als „Hass-Symbol“ ein. Ihr Ursprung liegt in einem Comic für Erwachsene des Zeichners Matt Furie, wo Pepe im Jahr 2005 erstmalig auftauchte:

View post on imgur.com

Pepe’s Gesicht mit der Sprechblase „feels good man“ wurde zu einem Underground-Meme auf dem berüchtigten Forum 4chan. Dort wurde und wird der Frosch in vielen verschiedenen Formen, mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Sprechblasen gepostet, häufig, um sentimentale, nostalgische oder depressive Gespräche einzuleigen (so genannten „feels“-Threads). Daneben existieren aber mit Rage Frog oder Smug Frog auch andere Varianten.

Weiterlesen

Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Social Justice Warrior (SJW)

Illustration zum Begriff Social Justice Warrior oder SJW

Die Abkürzung „SJW“ steht für social justice warrior oder deutsch: Krieger_in für soziale Gerechtigkeit.

In der Logik derjenigen, die ihn verwenden, ist der Begriff kein Angriff auf das generelle Konzept sozialer Gerechtigkeit, sondern eine vermeintlich entlarvende Bezeichnung für Individuen und Gruppen, die bestimmte soziale Ziele mit einem extremen, übermäßigen Eifer verfolgen und im Zuge dessen die Rechte und Freiheiten anderer Gruppen einschränken würden. In dieser Hinsicht war das Konzept des SJW anfangs mit dem Klischee der „Tumblrina“ verwandt. Dieses beschreibt eine naive, unreflektierte Userin der Blog-Plattform Tumblr, auf der ein linksliberaler, speziell LGBTQ- und transgenderfreundlicher Ton vorherrscht.

Weiterlesen

Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Eine Einführung

Illustration Alt Right

Von Robert Ott

Das Jahr 2016 geht seinem Ende zu. In den letzten sechs Monaten haben zwei Ereignisse die Welt geschockt, die noch vor einer Weile als undenkbar galten: Das Brexit und der Sieg Donald Trumps im Rennen um die US-Präsidentschaft. Zwei Entscheidungen, zwei Siege für die populistische Rechte, über deren mittel- und langfristige Auswirkungen nur spekuliert werden kann.

FIrst we take Manhattan, then we take Berlin

In Deutschland wird nun natürlich nervös in Richtung Herbst 2017 geschielt. An einem Termin zwischen dem 23. August und dem 22. Oktober findet die Wahl des 19. Deutschen Bundestags statt, und die Sorge vor einer immer stärkeren AfD ist real: Sie ist, zusammen mit Pegida, ohne Zweifel die deutsche Vertretung der neuen Rechten.

Die Frage ist dabei nicht nur: Wie, wenn überhaupt, kann man einer breiten, von Mainstream-Politik frustrierten rechtsorientierten Wählerschaft klarmachen, dass Populismen, simplifizierte und verkürzte Ansätze und ethnischer Nationalismus weder in England, noch in den USA, noch in Deutschland Probleme lösen werden?

Die Frage ist auch: Wie geht man mit der neuen jungen Rechten in den sozialen Medien um, der selbsternannten „Alt Right“ oder Alternativen Rechten? Seit klar ist, dass Steve Bannon der ranghöchste Berater des neuen Präsidenten Trump wird, bemerken auch große deutsche Medien wie Welt oder Spiegel den Paradigmenwechsel: Bannon ist der Vorstandsvorsitzende von Breitbart News, einer der ideologischen Geburtsorte und Stützpunkte der Alt Right. Damit ist sie in dem von ihr eigentlich so verhassten politischen Establishment angekommen.

Weiterlesen

Studie „The Perpetual Line-Up“: US-Behörden fahnden großflächig und unreguliert in Gesichts-Datenbanken

Beispiel für die Anwendung einer Gesichtserkennungs-Software (Foto: Sylenius, Lizenz: CC BY 2.0)

Beispiel für die Anwendung einer Gesichtserkennungs-Software (Foto: Sylenius, Lizenz: CC BY 2.0)

Wirklich überraschend ist es nicht: Einer großangelegte Studie der Georgetown University zufolge nutzen US-Strafverfolgungsbehörden auf lokaler, Bundesstaats- und landesweiter Ebene großflächig Datenbanken mit Gesichts-Scans zur Fahndung. Biometrische Daten von rund der Hälfte der erwachsenen US-Amerianer_innen seien in diesen Sammlungen enthalten.

Die am 18. Oktober veröffentlichte Studie mit dem Namen „The Perpetual Line-Up“ („Die ständige Aufstellung zur Identifizierung“) wurde an dem Center for Privacy & Technology der in Washington, D.C. gelegenen Universität erarbeitet. Sie kritisiert, dass die Praxis im Stillen und bisher völlig unreguliert vor sich geht.

Weiterlesen

Absage wegen Trump: Apple entzieht US-Republikanern die Unterstützung

Donald Trump 2015 (Foto: Flickr-User <a href="https://www.flickr.com/photos/80038275@N00/">Michael Vadon</a>, Ausschnitt, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/>CC BY-SA 2.0</a>)

Donald Trump 2015 (Foto: Flickr-User Michael Vadon, Ausschnitt, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Es gehört zu den Ritualen im politischen Establishment der USA: Der Tanz um Geld, Einfluss und PR. Gerade die Präsidentschaftswahlkämpfe sind horrende teuer, und hohe Spendeneinnahmen oder besonders großzügige Unterstützungen machen regelmäßig nationale Schlagzeilen. Große Unternehmen setzen dabei traditionell auf Diversifizierung und unterstützen beide politischen Lager sowie verschiedene Kandidat_innen, um sich möglichst breite Unterstützung für ihre Anliegen zu sichern. Das ist übrigens auch in Deutschland nicht anders.

Weiterlesen

Völkermord-Debatte: Wettbewerb der Grausamkeiten?

Ein Kommentar von Robert Ott

In einem Beitrag für Spiegel Online kommentiert Christiane Hoffmann den derzeitigen Stand der so genannten Völkermord-Debatte, der durch die kürzlich verabschiedete Armenien-Resolution des Bundestages angefacht wurde. Sie kritisiert die Klassifizierung von Massenmorden und Verbrechen und behauptet, die emotionale und mediale „Fixierung auf ethnisch definierte Opfer“ folge der Logik der Täter_innen und mache sich deren rassistische Motive zu eigen.

Das Gegenteil ist der Fall. Rassismus ist eine traurige Konstante in der Geschichte der Menschheit. Um ihn zu bekämpfen, ist es nötig, ihm anzulasten, was er verursacht. Einen anderen Weg gibt es nicht. Würde Völkermord mit Massenmord gleichgesetzt, würde die Gefahr eliminatorischer Ideologien in der Vergangenheit und in der Zukunft relativiert.

Weiterlesen

Kunst, Literatur, Rassismus: Die „N-Wort“-Debatte ist zurück

Denis Schecks berüchtigter Blackface-Auftritt 2013 (Screenshot aus der ARD-Mediathek)

Denis Schecks berüchtigter Blackface-Auftritt („Druckfrisch“-Sendung vom 27.1.2013, Screenshot aus der ARD-Mediathek)

Es gibt eine neue Debatte um das „N-Wort“: Das dänische Staatliche Museum für Kunst in Kopenhagen entfernt nach einer internen Überprüfung dreizehn Nennungen von „Neger“ und eine des Worts „Hottentotten“ aus Beschreibungen und Titeln ihrer Kunstwerke. Bei letzteren handelt es sich nicht um Originaltitel, sondern um namenlose Werke, die von Kunsthistoriker_innen betitelt wurden. Kritik an dem Vorhaben lässt nicht auf sich warten: Geschichte würde entfernt und Vergangenheit vergessen, so einige Stimmen.

Weiterlesen

Microsofts Chatbot Tay ist naiv und überfordert. Was sagt das über künstliche Intelligenz?

Screenshot von tai.ai/ThingsToDo

Screenshot von tay.ai/ThingsToDo

Vor wenigen Tagen machte Microsoft Schlagzeilen mit Tay, einem Chatbot, der vor allem auf Twitter gepflegte Konversation betreiben sollte – ein Experiment in künstlicher Intelligenz. Tay ist darauf programmiert, zuzuhören, Geschichten zu erzählen und in Gesprächen dynamisch Antworten zu geben. Aufsehen erregte jedoch eher die Tatsache, dass Tay mit wenigen Tricks manipuliert werden konnte, äußerst menschenverachtende und unabgebrachte Meinungen nachzuplappern. Nach einer von Microsoft verordneten Zwangspause war Tay gestern ein zweites Mal kurz online – und erlitt prompt einen zweiten Zusammenbruch.

Weiterlesen