„ThingMaker“: Mattel will 3D-Druck und -Design in den Mainstream bringen

Die ThingMaker Design-App (Screenshot Google Play Store)

Die ThingMaker Design-App (Screenshot Google Play Store)

3D-Drucker wurden schon häufig als das next big thing bezeichnet. Bisher blieb der Erfolg im Mainstream aber aus: Gute Geräte sind zu teuer, günstige zu schlecht, CAD-Programme (computer aided design, Modellierung) zu komplex – und auch der Nutzen von kleinem, buntem Plastikzeug ist begrenzt. Der US-Spielzeug-Gigant Mattel startet jetzt einen Versuch: Der „ThingMaker“ soll bald in Spielzimmern weltweit stehen. Die echte Überraschung ist jedoch, dass das Unternehmen gleichzeitig eine App veröffentlicht hat: Eine einfache, leicht zugängliche CAD-Anwendung.

Vorgestellt hat Mattel das 300-US$-Gerät auf der New Yorker Toy Fair-Messe vor wenigen Tagen. Der Drucker dürfte technologisch nicht außergewöhnlich sein, und auch der Preis ist nicht spektakulär; Einsteiger-3D-Drucker für wenige hundert USD/Euro sind bereits seit längerem auf dem Markt.

Die App „ThingMaker Design“, die seit kurzem in den Google- und Apple-Stores herunterladbar ist, könnte das Projekt aber zum Erfolg werden lassen. In dem Programm können einfache Formen erzeugt oder Vorgaben bearbeitet werden. Ein Fokus scheint auf der Implementierung von einfachen Gelenken und Verbindungen zu liegen, welche die modulare Kombination einzelner gedruckter Teile zu größeren Gebilden ermöglichen soll. Laut Berichten hat ein Testpublikum die App als „schnell“, „einfach zu bedienen“ und „intuitiv“ gelobt.

Es wird erwartet, dass Mattel die App auch dafür benutzen wird, um branded content zu vertreiben. Das Unternehmen ist unter anderem Inhaber der globalen Marken Barbie und Hot Wheels. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass ein Puppen- oder Auto-Bausatz samt Accessoires zum Selbstdrucken, beispielsweise als kostenpflichtiger Download via micro transaction, unter dem Nachwuchs Abnehmer_innen finden würde.

Vielleicht das überraschendste Feature ist aber, dass ThingMaker Design nicht durch ein proprietäres, geschlossenes Dateiformat an den ThingMaker-Drucker gebunden ist, sondern wohl den STL-Dateiexport unterstützt, ein Standardformat im CAD-Bereich. Damit könnten die erzeugten Modelle von beliebigen 3D-Druckern gedruckt werden. Das stellt eine verblüffende Offenheit in der Spielzeug-Branche dar, deren Erfolgsmodell traditionell auf der Erzeugung bzw. Lizensierung und Ausschlachtung populärer intellectual property beruht.

Kommentatoren, etwa bei Reddit, üben sich allerdings schon in Skepsis. Befürchtungen sind etwa, dass Mattel die Beschaffenheit möglicher Formen in ThingMaker Design beschränken und einen walled garden erzeugen wird: Eine Umgebung, in der nur lizensierte Modelle gespeichert und gedruckt werden können. Das ist nicht unplausibel: In der leicht paranoiden US-Gesellschaft wollen viele Spielzeughersteller jegliche Kontroversen vermeiden. Eine via Mattel-App selbstgedruckte Pistole im Klassenzimmer beispielsweise wäre ein PR-Disaster – vor allem, wenn sie funktionsfähig wäre.

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