Valve-Chef Gabe Newell äußert Zweifel an der Massentauglichkeit von Virtual Reality

Ein Virtual-Reality-Headset auf einem gläsernen Kopf

Virtual Reality ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch – richtig? Oculus, Vive, PlayStation VR, diese Headsets für Smartphones – bald laufen wir alle nur noch damit rum. Oder?

Manche Ikonen der IT-Welt sind sich anscheinend nicht mehr so sicher, ob Virtual Reality die Zukunft ist für die PC-Branche – oder auch nur den Gaming-Sektor. Prominentestes Bespiel: Gabe Newell, Chef von Valve, dem Unternehmen hinter der Spielereihe Half Life, Inhaber des digitalen Games-Vertriebs Steam und – Partner von HTC für das Virtual Reality-Headset Vive.

In einem Interview sagte Newell jüngst zunächst: „Wir finden, VR macht sich super. Es läuft ungefähr so, wie wir es erwartet haben“. Doch Newell ist nicht dafür bekannt, seine Meinung hinter PR-Phrasen zu verstecken, und so fügte er hinzu: „Wir können uns aber auch mit der Idee anfreunden, dass es vielleicht ein kompletter Fehlschlag wird“.

Gabe ist noch nicht fertig: „Vive ist das teuerste VR-Gerät, und es ist so gerade fähig, eine passable VR-Erfahrung zu bieten“, so Newell. „Manche Leute versuchen Aufmerksamkeit zu erregen und sagen, es werden Millionen von Headsets verkauft werden. Dazu sagen wir: ‚Wow, ich glaube nicht!‘ Mir fällt kein einziger VR-Content ein, der Millionen Menschen dazu bringen könnte, ihre Computernutzung grundlegend zu verändern“.

Mit diesem letzten Argument trifft Newell einen wunden Punkt: Den VR-Headsets fehlt es bisher vor allem an qualitativ hochwertigem Material, seien es Spiele oder Anwendungen. Mit Resident Evil 7 ist gerade der wohl erste AAA-Titel für Virtual Reality erschienen, also das erste von einem renommierten Studio aufwändig produzierte Spiel mit umfangreichem Inhalt. Das Medienecho war nicht überwältigend.

Was ansonsten herauskommt, sind überwiegend Demos, die das Potential von VR aufzeigen sollen: Achterbahnfahrten, Grusel-Szenarien. Ego-Shooter etc. machen deutlich, dass die Headsets natürlich ein hohes Maß an Immersion in die VR-Welt ermöglichen. Doch das sagt wenig darüber aus, ob sich Millionen Menschen so ein Set für Stunden am Stück auf den Kopf schnallen wollen – mit oder ohne packendem Content.

Auch der Preis wird die Massentauglichkeit der Technologie wohl bis auf Weiteres noch beschränken. PlayStation VR ist mit rund 700 Euro (400 für das Headset, 300 für die Konsole) noch das günstigste Komplettsystem, ist aber in den grafischen Möglichkeiten an die alternde PS4 gebunden. Der Oculus-Preis von 600 USD in den USA war schon zur Markteinführung kontrovers, dabei kostet das HTC Vive noch 200 Dollar mehr. Wohlgemerkt, Oculus und Vive benötigen zum Betrieb zusätzlich noch einen leistungsfähigen PC.

Die Welt wartet also auf die VR-„Killer App“ – das eine Spiel, die eine Anwendung, die so unglaublich gut ist, dass Millionen Menschen das System haben müssen – so wie Super Mario Bros. für das NES oder Grand Theft Auto 3 für die PS2. Ob und wann diese Killer App kommt, die auch den hohen Preis rechtfertigt, ist aber noch völlig offen.

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