Veganz und Jan Bredack: Geliebt, gehasst, missverstanden?

Die Veganz-Facebook-Seite am 18. Februar 2016 (Screenshot)

Die englischsprachige Veganz-Facebook-Seite am 18. Februar 2016 (Screenshot)

Veganz ist eine Erfolgsstory: 2011 eröffnete der „erste vegane Supermarkt der Welt“ in Prenzlauer Berg, mittlerweile betreibt das Unternehmen zehn Filialen, davon je eine in Prag und Wien. Jetzt will Veganz den Sprung über den großen Teich wagen und einen Laden in Portland, Oregon eröffnen. Der Ort ist nicht zufällig ausgewählt: Portland gilt als eine der vegan-freundlichsten Städte der USA.

Angekündigt wurde die transatlantische Expansion bereits vor Monaten. Nach vermehrten Medienberichten scheinen einige Portlander es kaum erwarten zu können: Seit Tagen finden sich auf der englischsprachigen Veganz-Facebook-Seite vermehrt Fragen zu einem konkreten Termin und Standort für die Markt-Eröffnung. Bisher gibt das Unternehmen keine Antwort.

Teile der linken Szene, gerade in Deutschland, reagieren allerdings eher allergisch auf Veganz und speziell auf den Gründer der Kette, Jan Bredack. Nicht nur, dass er es blendend versteht, seine persönliche „vom-Mercedes-Manager-zum-veganen-Weltverbesserer“-Story in den Medien zu inszenieren; seit Jahren reißen Gerüchte nicht ab, dass er eine starke Affinität zu rechten und rechtsextremen Kreisen hätte.

Indizien gibt es tatsächlich einige: So soll Bredack 2011 Mitarbeiter_innen angewiesen haben, Menschen in Kleidung der rechten Kultmarke Thor Steinar zu bedienen (Quelle); eine Praxis, die wohl später revidiert wurde. Ebenfalls 2011 soll die Veganz-Facebook-Seite den Dokumentarfilm „Zeitgeist“ verlinkt haben, der als Verschwörungs-affin und strukturell antisemitisch kritisiert wird (Quelle). 2014 hat Bredack einen Text zum Thema Vitamin B12 auf seiner eigenen Facebook-Seite veröffentlicht, der von Brigitte Rondholz und Karl Probst stammt (Quelle). Rondholz und Probst werden der „Germanischen Neuen Medizin“ um den nachgewiesenen Antisemiten und Verschwörungstheoretiker Ryke Geerd Hamer zugeordnet. Im letzten Fall hat Bredack sich schnell und deutlich von jeder politischen Nähe zu diesen Positionen distanziert.

So ist es nicht verwunderlich, dass manche Veganer_innen, sozialisiert in einer links-anarchistischen Szene, dem Unternehmen mit Skepsis begegnen. Dazu kommt eine oft empfundene Kommerzialisierung und Entpolitisierung, die den Veganismus, so die Kritik, auf seine gesundheitlichen und umweltfreundlichen Aspekte reduzieren würde – während das kontroverse Thema der Tierrechte ausgeklammert würde. Einige Portlander Veganer_innen kündigten in sozialen Medien bereits an, den seit 2003 alteingesessenen Veganladen „Food Fight“ weiterhin zu unterstützen, statt bei Veganz einzukaufen.

Es muss allerdings ebenso erwähnt werden, dass dies alles lediglich Indizien sind. Misst man Bredack und Veganz an ihren Handlungen, gibt es nichts auszusetzen – solange man nicht Profitstreben an sich bereits für inakzeptabel hält. Veganz-Mitarbeiter_innen selbst bestreiten vehement, dass rechte Ideologien an ihrem Arbeitsplatz vorherrschen würden, das Unternehmen hat sich in der Flüchtlingshilfe engagiert und unterstützt zur Zeit die Crowdfunding-Aktion „Mein Grundeinkommen“.

Insofern bleibt zu sehen, wie weit Veganz, Bredack und andere, oft polarisierende und kontroverse Figuren wie Attila Hildmann Veganismus in den Mainstream bringen können. Die skeptische Beobachtung durch eine immer noch stark politische vegane Szene wird wohl nicht ausbleiben – und das ist auch gut so.

Ein Gedanke zu „Veganz und Jan Bredack: Geliebt, gehasst, missverstanden?

  1. Florencia Chueke sagt:

    Die Produkte sind überteuert und nur durch Marketing hoch verkauft. Leider hat die DM den falschen Weg genommen. Als Vertriebleiter für 35 Länder kann ich nur sagen, die Kunden sollte man nie unterschätzen.

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