Verschwörung: Darf man in Neuseeland einen privaten Garten haben?

View post on imgur.com

Bielefeld existiert nicht – das ist mittlerweile allgemein bekannt. Seit Anfang der 90er Jahre geistert die Bielefeldverschwörung durch die Welt. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hat diesen Hoax bereits in einem Nebensatz gewürdigt. Ohne das Internet wäre das Aufkommen solcher globalisierten Insider-Witze wohl kaum möglich gewesen; in Foren und sozialen Medien treffen Naive und Unwissende nicht nur auf wohlmeinende User, sondern eben auch auf solche, die sich mitunter mal einen Witz erlauben – und diesen erstaunlich lange aufrechterhalten.

Auf der Social Media-Webseite Reddit kann derzeit die Verbreitung eines solchen Hoax hautnah miterlebt werden. Das Thema ist skurril: Ist privates Gärtnern in Neuseeland verboten? Die meisten von uns würden wohl antworten: Nein. Bestimmt nicht! Wieso auch? Oder doch?

Es begann bereits vor einem Jahr mit einer unschuldigen Frage auf dem Unterforum r/newzealand, das über 70.000 aktive Mitglieder hat.  „Can you have a garden in New Zealand?“, wollte ein User wissen. Ein Freund habe gehört, dass das private Gärtnern illegal sei, und eine Google-Suche habe nichts ergeben – deswegen wollte er oder sie die Antwort von Neuseeländer_innen selbst erfahren.

Dumm nur, dass das Forum für seinen äußerst trockenen Humor berüchtigt ist und die Steilvorlage dankend annahm. „What is garden?“, lautet etwa eine Antwort, mit dem Zusatz: „Holy shit I just googled it. So pretty.“ Ein anderer User gibt sich überrascht: „Are you allowed gardens in other countries? Wow I thought they were illegal everywhere“.

Vor einigen Tagen nahm der „Gardening Ban“-Hoax dann auf einmal wieder Fahrt auf, teilweise ausgelöst durch einen seltsam anmutenden Bericht des Guardian über Avocado-Kriminalität und das Foto einer Neuseeländerin mit einer vermeintlich illegalen privaten Avocadopflanze. Verwirrte Fragesteller_innen in r/newzealand wurden erneut auf die Schippe genommen und die hippe Pop-Journalismus-Webseite Spinoff.co.nz veröffentlichte einen Artikel zum Thema, der ebenfalls Unklarheiten eher verbreitete als beseitigte.

Bleibt die Frage zu stellen: Wie können so viele Menschen (inklusive des Autors) dermaßen verunsichert werden über ein solches Thema, das eine banale persönliche Freiheit betrifft? Ein erneuter Blick auf die Bielefeldverschwörung gibt Aufschluss, denn Erklärungsversuche ähneln sich. Bielefeld ist, obwohl relativ groß und zentral in Deutschland gelegen, kein Verkehrsknotenpunkt oder Ort großer Sehenswürdigkeiten. Viele Menschen haben deswegen bereits von Bielefeld gehört, die Stadt aber nicht notwendigerweise besucht.

Ähnlich steht es mit Neuseeland: Land und Bewohner_innen besitzen durchaus globale Popularität, aber tatsächlich dort gewesen – und dann noch in einem Haus mit privatem Garten – sind die wenigsten. Ebenfalls beigetragen haben vermutlich die sehr strengen Einfuhrbedingungen Neuseelands für Lebensmittel und Pflanzen, die mit etwas Fantasie auf eine repressive „Gärtnerei-Politik“ schließen lassen könnten – was auch immer das sein könnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.