Videospiel-Hack: Flappy Bird „injiziert“ in Super Mario World

Ein Videospiel zu programmieren, ist schwierig genug. Aber wie wäre es mit einem Spiel, das innerhalb eines anderen Spieles programmiert wird? Generell nicht unmöglich: Innerhalb von Minecraft etwa oder auch Mario Maker kann auf einfachem Level programmiert werden. Deutlich komplexer wird es, wenn die Designer des „Wirt“-Spiels das absolut nicht intendiert hatten – wie etwa bei dem SNES-Klassiker Super Mario World. Youtuber Sethbling ließ sich davon nicht aufhalten und „injizierte“ den Code für das Smartphone-Kultspiel Flappy Bird in eine Super Nintendo-Konsole.

Durch eine Reihe exakter Controller-Eingaben und pixelgenauer Positionerungen erzeugt Sethbling dabei zunächst einen Status, der eigentlich nicht erreicht werden dürfte und der es ihm erlaubt, Code direkt in das RAM des Super Nintendo zu schreiben. Rund eine halbe Stunde dauert es anschließend, wiederum über den Umweg manueller Knopfdrücke 331 Bytes einzugeben – den Sourcecode eines einfachen Flappy-Bird-Klons.

Der Fachbegriff unter Speedrunnern, Glitchhuntern und Videospiel-Hackern für diesen Vorgang ist arbitrary code execution (ACE) – das Ausführen von beliebigem Code innerhalb eines Spiels. Von den anfangs erwähnten Vergleichen Minecraft und Mario Maker unterscheidet sich diese Methode tatsächlich fundamental, denn beim Minecraft-Programmieren beispielsweise ist diese Funktionalität im Spiel gewollt. Sethbling dagegen füttert seiner Super Nintendo-Konsole via ACE einen Code, der mit dem eigentlich laufenden Spiel rein gar nichts zu tun hat. Dass bei dem resultierenden Flappy Bird-Klon Mario selbst zwischen den Röhren fliegt, hat praktische Gründe: Die Verwendung des im Modul vorhandenen Mario-Sprites spart Code, der ansonsten langwierig zusätzlich hätte programmiert werden müssen.

Obwohl Sethblings Ausführung dieses komplizierten Vorgangs auf einer echten Konsole sehr bemerkenswert ist, gab es wichtige Vorarbeiten. Methoden für das Ausführen beliebigen Codes wurden bereits für einige Spiele entdeckt, beispielsweise Pokemon Rot, Blau und Gelb für den Gameboy. Auch Super Mario World wurde bereits „übernommen“, allerdings nicht von einem Menschen: Bei der Benefiz-Event AGDQ 2014 führte eine Computersteuerung die hochkomplexen Controller-Inputs zur „Re-Programmierung“ des Spiels aus.

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