Virtueller Rechtsanwalt hat bereits 250.000 Knöllchen angefochten

Manchmal unfair: Knöllchen

Manchmal unfair: Knöllchen

Verwarnungen für Verstöße gegen das Straßenverkehrsgesetz – umgangssprachlich als Knöllchen bekannt – sind ein heißes Thema. Legitim, Schikane, Gefahrenprävention, Abzocke – an Meinungen mangelt es nicht. Unbestritten ist aber, dass gerade Knöllchen für Parkvergehen oft für Unmut sorgen, weil beispielsweise Beschilderungen nicht eindeutig sind. Einen 19-jährigen Studenten der kalifornischen Universität Stanford ärgerte das sehr – und so schuf er einen automatisierten, virtuellen Rechtsanwalt, der Betroffenen hilft, die unfairen Knöllchen anzufechten.

Unbesehen ihrer Rechtmäßigkeit sind Verwarnungen heute durchaus ein ökonomischer Faktor für viele Städte. In Berlin beispielsweise wurden 2014 fast vier Millionen Verwarnungen für Verkehrsdelikte ausgesprochen, über die Hälfte davon waren Parkvergehen. 77 Millionen Euro brachte das ein. Beachtlich, aber nichts im Vergleich zu New York City: Unglaubliche 1,9 Milliarden US-Dollar an Bußgeldern forderte die Stadt 2015 ein.

Ähnlich angespannt ist die Situation in London. Dort legte der Stanford-Student Joshua Browder vor einiger Zeit Einspruch gegen ein Knöllchen ein, das er für ungerecht hielt. Dabei bemerkte er, dass dieser Prozess erstens sehr zeitintensiv war und zweitens strengen Regeln folgte. Um sich und Bekannten in Zukunft Arbeit zu sparen, schrieb er ein Programm, dass im Chat mit einer Person nach den Umständen der Verwarnung fragt und anschließend, bei Erfolgsaussicht, automatisiert ein Einspruchs-Schriftstück erzeugt.

Über Mund-zu-Mund-Propaganda wurde DoNotPay immer bekannter, und mittlerweile hat der Bot Einspruch gegen über 250.000 Londoner Knöllchen eingereicht – und 160.000 der Fälle tatsächlich gewonnen. Anfang 2016 machte Browder den kostenlosen Dienst auch für Verwarnungen in New York City zugänglich, wo er bereits mehrere Tausend mal in Anspruch genommen wurde. Bald soll DoNotPay auch nach Seattle expandieren – und dann vielleicht Berlin?

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