Volksentscheid Fahrrad in Berlin: Erstes Etappenziel in Sicht

Fahrradverkehr in Kopenhagen (Foto: Volkentscheid Fahrrad/Norbert Michalke)

Fahrradverkehr in Kopenhagen (Foto: Volkentscheid Fahrrad/Norbert Michalke)

2014 zog ich nach Berlin und verließ Münster, die Stadt, in der ich zehn Jahre gelebt hatte. Das ging nicht ganz ohne Wehmut von statten: Ich hatte mich an Münster gewöhnt, an die pittoreske Altstadt, den exquisiten Flohmarkt, die sehr junge, studentische Kulturszene – und auch an die kurzen Wege. Unter zehn Minuten dauerten Fahrradfahrten von unserer Südviertel-Wohnung zur Arbeit im Zentrum, zum Hauptbahnhof, zur Uni, zum See und zum Ausgeh-Viertel am Hafen.

Die Fahrradfreundlichkeit in Münster kommt nicht von ungefähr: Plattes Land und ein sehr kompakter Innenstadtbezirk mit vielen Einbahn- und für Autos gesperrten Straßen machen Fahrräder für viele zur sinnvollsten Mobilitätsoption. Nahezu 40% aller Fahrten der rund 300.000 Münsteraner_innen entfallen auf das Fahrrad, womit sogar der Autoverkehr geschlagen wird. Viele Rücksichtnahmen und Sonderregelungen für den Radverkehr machen Münster bundesweit zur Vorzeige-Fahrradstadt.

Wir sind hier nicht in Münster, Robert

In Berlin angekommen, musste ich mich selbstredend etwas umgewöhnen. Deutlich größere Entfernungen schränken die Möglichkeiten ganz natürlich ein, was durch den ÖPNV mit U- und S-Bahn ausgeglichen wird. Aber selbst im Kiez, in meinem Fall Sonnenallee und Karl-Marx-Straße, musste ich mich erst einmal trauen: Wenig dezidierte Radwege, Autos parken in zweiter Reihe, gefühlt weniger Respekt vor dem Radverkehr – keine optimalen Gegebenheiten.

Mit dieser Wahrnehmung bin ich nicht alleine. Die Kritik an Berlins Fahrrad-Tauglichkeit ist dermaßen angewachsen, dass eine breit aufgestellte Initiative massive Verbesserungen fordert und zu diesem Zweck einen Volksentscheid Fahrrad organisiert. Das Vorhaben wird unter anderem unterstützt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Mehr Platz & mehr Sicherheit

„Gemeinsam für mehr Sicherheit im Berliner Radverkehr“ hat sich die Initiative als Motto gegeben. Zentrale Ziele sind dabei u.a. 350 km Fahrradstraßen, zwei Meter breite Radstreifen an Hauptstraßen, 100 km Radschnellwege für den Berufsverkehr und die Sicherung von gefährlichen Kreuzungen.

Berlins Verkehrspolitik, so die Initiator_innen, sei international rückständig. Viele europäische Metropolen würden sich mittlerweile an traditionell fahrradfreundlichen Großstädten wie Amsterdam oder Kopenhagen orientieren und stark in Rad-Infrastruktur investieren. Das zahle sich aus: im Klima- und Umweltschutz, in der Verkehrssicherheit und in langfristigen Gesundheitskosten.

Noch bis zum morgigen zehnten Juni kann unterschrieben werden für die erste Etappe, den Antrag auf Einleitung des Volksentscheides. Sind dann 20.000 gültige Unterschriften zusammengekommen, geht der Weg weiter – bis zum Volksentscheid am vorläufig angepeilten Termin, dem Tag der Bundestagswahl 2017.

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