Vorbild oder Symbolpolitik? Frankreich verbietet Supermärkten das Wegwerfen von Lebensmitteln

Frisches Obst und Gemüse in einem Supermarkt (Foto: Wikipedia-User Webkid~commonswiki, Ausschnitt)

Frisches Obst und Gemüse in einem Supermarkt (Foto: Wikipedia-User Webkid~commonswiki, Ausschnitt)

In Frankreich wurde jetzt ein Gesetz verabschiedet, dessen Ankündigung bereits im vergangenen Mai für Aufsehen sorgte: Supermärkte mit über 400 qm Verkaufsfläche müssen Lebensmittel spenden, die sich ihrem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern oder – wie etwa leicht beschädigtes Gemüse – wohl nicht mehr verkauft werden. Wohltätige Organisationen freuen sich: Schon eine geringe Steigerung an Essensspenden könnte Millionen ausgegebene Mahlzeiten mehr pro Jahr bedeuten.

Doch das Gesetz stößt auch auf Skepsis: Der Anteil an Lebensmitteln, der so gespendet statt weggeworfen wird, beträgt nach Medienangaben nur rund fünf Prozent. Ein weitaus größerer Teil der Verschwendung geschehe in den Haushalten. Ein globales Problem, wie auch ein Segment der US-Show Last Week Tonight zeigt: 40% der in den USA produzierten Nahrungsmittel werden demnach nicht gegessen, und 15 bis 20% gekaufter Produkte werden in US-Haushalten weggeworfen.

Ein Blick auf das in Deutschland etablierte System der Tafeln zeigt, dass auch ohne gesetzliche Vorgabe im Zusammenspiel von Ehrenamt und corporate responsibility tatsächlich etwas Sinnvolles zustande kommen kann. 60.000 Freiwillige engagieren sich laut Bundesverband Deutsche Tafel e.V. in rund 900 Vereinen, um regelmäßig Lebensmittelspenden zu verteilen. Der Verband kann die Branchenriesen Metro Group, Rewe Group und Lidl zu ihren Hauptsponsoren zählen, die nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch durch PR- und Spendenaktionen helfen. Darüber hinaus sind individuelle Filialen und Franchisenehmer quasi aller Supermarktketten nach Angaben des Verbandes unter den regelmäßigen Wohltätern der lokalen Tafeln.

Frankreich ist übrigens der erste Staat, der ein „Anti-Wegwerf-Gesetz“ erlässt – aber auf kleineren Verwaltungsebenen gab es Vorläufer. Anfang 2014 berichtete der Fernsehsender Arte über die belgische Stadt Herstal, die Supermärkte per städtischer Auflage verpflichtete, Reste zu spenden anstatt wegzuwerfen. Wohl kurze Zeit später verabschiedete das Parlament von Wallonien, neben Flandern und Brüssel eines der drei „Bundesländer“ Belgiens, ein entsprechendes Gesetz für Geschäfte über 1000 qm Größe – gültig in der gesamten Region von 3,5 Millionen Einwohnern. Berichte, welche Auswirkungen die Vorschrift auf Supermärkte oder die Ausgabe-Organisationen hat, sind allerdings noch nicht auffindbar.

Die Frage ist also erlaubt, ob der französische Vorstoß ein Vorbild für andere Länder oder eine EU-Richtlinie sein kann oder reine Symbolpolitik ist, die die bereits bestehende Praxis nur kodifiziert. Letztendlich egal: Angesichts des Engagements auch für Geflüchtete, die vielerorts von Freiwilligen und Ehrenamtlichen versorgt und betreut werden, wäre eine gesetzlich verankerte Unterstützung für die Tafeln und ähnliche Organisationen ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal.

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