Wo früher Regenwald stand, schwimmen bald Solarzellen

Der Balbina-Stausee in Brasilien (Foto: Wikipedia-User Seabirds)

Der Balbina-Stausee in Brasilien (Foto: Wikipedia-User Seabirds)

England macht’s vor, Brasilien zieht nach: Während bei London gerade die größte schwimmende Solaranlage der Welt entsteht, hat auch die brasilianische Regierung ein Solarprojekt auf dem Wasser angekündigt. Auf dem Balbina-Stausee im Norden Brasiliens soll bis 2017 eine 50 000 Quadratmeter große Solaranlage entstehen. Das Projekt hat besondere Brisanz, da der in den 1980er Jahren geflutete Stausee als eines der größten Umweltverbrechen des Landes gilt.

Unter dem Eindruck der Ölkrisen in den 1970er Jahren strebte Brasilien Anfang der 80er nach stärkerer Energieautonomie. Für den Wasserzufluss des hydroelektrischen Kraftwerks im Balbina-Damm, der die rund 100 km entfernte Millionenstadt Manaus mit Elektrizität versorgen sollte, wurden unglaubliche 2400 Quadratkilometer Regenwald geflutet – eine Fläche, fast fünfmal so groß wie der Bodensee.

Umstritten waren Stausee und Damm bereits damals, doch erst im Rückblick wird das volle Ausmaß des Missmanagements deutlich. Neben dem Verlust einer großen Fläche Regenwalds, der gewaltvollen Umsiedlung von Ureinwohnern und der hohen Belastung der Staatsschulden wurden auch die energetischen Ziele verfehlt: Theoretisch könnte das Wasserkraftwerk mit seiner Nennleistung von 250 Megawatt Hunderttausende Haushalte versorgen, doch geringer Zufluss lässt nur die Nutzung von rund einem Drittel des Potentials zu.

Diese schwerwiegenden Fehler sollen nun zumindest teilweise aufgeholt werden: Mit einer schwimmenden Solaranlage, die auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern ca. 5 Megawatt Strom erzeugt. In der Zukunft könnte die Anlage laut Berichten sogar noch erweitert werden, auf bis zu 300 Megawatt Leistung – fehlender Platz dürfte dabei zumindest nicht das Problem sein.

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