Algorithmus akkumuliert abstruse Ideen

Screenshot von allpriorart.com

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Ein Projekt in der Schnittstelle zwischen Kunst, prozeduraler Generation und – Patentrecht? Eine seltsame Kombination, die aber auf All Prior Art genau passt. Die Seite ist eine Schöpfung des Programmierers und Künstlers Alexander Reben und ihr simples Ziel es ist, so viele Ideen zu erzeugen wie möglich. Dafür bedient sich der Algorithmus in der US-Patentdatenbank und kleistert Textstücke der Beschreibungen beliebig neu zusammen – hunderttausende pro Tag.

Der Hintergrund: Mit der Ausschüttung von Millionen „Erfindungen“ möchte Reben eine Reform des Patentrechts anregen und „Ideen demokratisieren“. Alle Erzeugnisse des Programms sind Creative-Commons-lizensiert und somit nicht kommerziell nutzbar. Da sie nach der Web-Publikation nach Definition des US-Rechts außerdem „prior art“ (Stand der Technik) darstellen, können sie nicht mehr patentiert werden. Sobald das Programm also alle denkbaren und möglichen Innovationen formuliert und lizensiert hätte, wäre das Patentsystem ad absurdum geführt.

Zu annähernd 100% erzeugt das Programm allerdings Beschreibungen, die absolut keinen Sinn ergeben. Die freie Kombination von Ideen resultiert im Gegenteil bisweilen in herrlich absurden, beinahe poetischen Nonsense-Ergüssen wie dem oben gezeigten Beispiel:

„Die vorliegende Erfindung befasst sich mit einem elektronischen Gerät und einer entsprechenden Anwendungsmethode. Im Idealfall enthält der gemusterte Film ein zugespitzes Ende, an dem ein Kristall befestigt ist. Infolgedessen wirken bei Beschleunigung Rumpf-Vibrationen auf das Federmaterial.“

Der Sinn und Zweck des Projektes dürfte also irgendwo zwischen Online-Kunst-Installation, Praxistest für prozedurale Textgeneration und symbolischer Auflehnung gegen das Patentsystem liegen. Ob der Algorithmus auch nur eine einzige Idee ausspucken wird, die innovativ und anwendbar ist – das bleibt abzuwarten.

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