Neuer Algorithmus erkennt Fake Accounts in sozialen Medien

Ein Beispielbild für Social Media

Die sozialen Medien haben sich in den letzten Jahren zu einem der Hauptschauplätze politischer Auseinandersetzung entwickelt. Hier organisierte sich der „Arabische Frühling“, hier tummelt sich die neue rechte Bewegung Alt Right und hier formiert sich auch ein Teil des Widerstandes gegen Donald Trumps zweifelhafte Politik. In diesem Kampf „gewinnt“ nicht selten der, der am lautesten schreit – oder mit den meisten Stimmen. Deswegen ist dies auch ein Kampf der Bots und der fake accounts. In den USA werden sie sock puppets genannt: Puppen, von einer einzigen Person kontrolliert.

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Glossar „Alt Right“: Neue Rechte in den sozialen Medien – Echokammer

Eine Illustration für den Eintrag "Echokammer" im Glossar "Alt Right" - Neue Rechte in den sozialen Medien

Der erste Artikel in dieser Reihe im neuen Jahr 2017 behandelt keinen konkreten Begriff oder Code innerhalb der Alt Right, sondern eine der technologischen Voraussetzungen für das Aufkommen und Erstarken dieser neuen rechten Bewegung: Die so genannte Echokammer.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Akustik und der Tontechnik und beschreibt einen Raum, der zu Aufnahmezwecken speziell konstruiert wurde, um einen Halleffekt zu erzeugen.

Im Social Media-Kontext wird mit dem Begriff Echokammer (auch Filterblase, englisch echo chamber oder filter bubble) der Zustand beschrieben, dass User_innen online häufig ausschließlich solche Inhalte und Meinungen präsentiert bekommen, denen sie ohnehin zustimmen.

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Hoax und Sorgfalt: Ein journalistischer Vorfall

Anfang des Jahres 2000 war ich 16 Jahre alt und kehrte gerade von einem Auslandsaufenthalt in mein heimisches Münsterland zurück. Ich hatte zwei Vorsätze: In einer Band Gitarre spielen und für die Tageszeitung vor Ort als „Freier“ arbeiten. Beides hatte ich nach ein paar Monaten erreicht.

Bei den Westfälischen Nachrichten lernte ich in der Lokalredaktion Greven erste Grundlagen journalistischen Arbeitens. Eine dieser Grundlagen scheinen meine damaligen Kolleg_innen aber vor kurzem selbst vergessen zu haben, nämlich die der journalistischen Sorgfalt: Sie saßen einer Leserbrief-Fälschung auf und erzeugten eine überaus bedauernswerte Falschmeldung zum sensiblen Thema Asyl und Geflüchtete.

 

Der fragliche Leserbrief (Screenshot von wn.de)

Der fragliche Leserbrief (Screenshot von wn.de)

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Hashtag gegen Heuchelei und Hetze: #ausnahmslos

Screenshot der Seite ausnahmslos.org

Screenshot der Seite ausnahmslos.org

#kölnhbf ist noch immer das Thema der Stunde. Nach und nach nehmen Fakten den Platz von Mutmaßungen über den Ablauf der Ereignisse ein: Rund 30 Tatverdächtige sind bisher ermittelt, der Großteil von Ihnen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. 18 von diesen haben den Status von Asylbewerbern. Diesen werden allerdings vorwiegend Diebstahl und Körperverletzung vorgeworfen, die Ermittlungen zur Aufklärung der vielen angezeigten Fälle von sexualisierter Gewalt dauern an.

Das ist ein großer Schritt vorwärts verglichen zur bisherigen Konsens-Kurzfassung „Sex-Mob von 1000 Nordafrikanern wütete ungehindert“. Dennoch offenbart der Fall Köln eine alarmierende Abwesenheit von Rationalität in der öffentlichen Diskussion. Eine lautstarke Fraktion in den sozialen Netzwerken treibt Medien und Politiker_innen vor sich her. Sie ist ein Amalgam von strammen Nazis und „Muss man auch mal sagen dürfer_innen“ und schießt sich auf Muslime, Arabischstämmige, Afrikanischstämmige, junge männliche „Migranten“ ein – Spezifik egal, die Richtung stimmt ungefähr. Jede dissentierende Stimme wird als Verharmlosung sexueller Gewalt verunglimpft – besonders perfide, da die Leidenschaft des Mitte/rechts-Mainstreams für dieses Thema traditionell eher nichtexistent ist.

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Provinzielle Medienlandschaften: Journalismus und Krise in Münster

Die Medienlandschaft der Fahrrad-, Tatort- und Unistadt Münster ist seit langem überschaubar: Es gibt die zwei Tageszeitungen Westfälische Nachrichten und Münstersche Zeitung, eine Straßenzeitung sowie ein paar Stadt- und Veranstaltungsmagazine. Seit letztem Jahr ist diese, für eine Großstadt sehr übersichtliche Auswahl noch geschrumpft, da die von der Insolvenz bedrohte MZ vom WN-Verlag Aschendorff übernommen wurde und die Inhalte beider Zeitungen seitdem fast deckungsgleich sind. Eine Initiative möchte jetzt eine Alternative mit dem Namen „Die Andere Zeitung“ auf den Weg bringen. Weiterlesen